
Zur gleichen Zeit reist Goethe nach Italien,
der Klassizismus blüht, geht über
in die Biedermeierzeit, welcher sich die
Romantik anschließen wird.
Eine Zeit also, die voller Irrungen und
Wirrungen ist. Jeder ist darauf bedacht, in
ihrem Strudel nicht unterzugehen. Und
doch haben sich immer wieder Männer
zusammengefunden, die etwas anderes, etwas
Besonderes tun wollten. Sie wollten
nicht nur griesgrämig hinter ihren
Fenstern sitzen und auf die ach so schlimme
Zeit schimpfen. Sie waren fröhliche
Leute, und sie wollten ihre Frölichkeit
mit möglichst vielen anderen teilen.
So kann man die Jahre 1830 bis 1840 guten
Gewissens als Gründerjahre der
Fastnachtsumzüge, Maskenredouten
und heute noch existenter Vereine ansehen.
Auch in der Murgmetropole waren in jenen
Tagen die ersten Vorboten der
Narretei zu erkennen. Im "Rastatter Wochenblatt"
vom 5. Februar 1831 war folgendes
zu lesen:
Bey der Unterzeichneten sind auf die
kommenden Fastnacht - Bälle folgende Masken
um billige Preise zu haben. Die vorzüglichsten
Charakter - Masken, alle erdenklichen
Nationaltrachten für Herren und
Damen, Dominos und Kinder-Masken, welche fast
durchgängig neu und sehr reinlich
sind. - Ferner sind alle Gattungen geringere
Masken zu haben, welche zwar auch noch
schön zu nennen, jedoch von den
Ball - Masken zu unterscheiden sind.
Nanette Birnstill, Friseurin
Tags zuvor erschien durch das Großherzogliche
Oberamt sogar eine Warnung, die
alle Trunken- und Raufbolde zur Einsicht
bekehren sollte, aufgrund der Tatsache,
"...daß nämlich jeder, der
bey einem Streite den anderen auch nur mit der Hand
auf den Kopf schlägt, aufgeschrieben
und anher angezeigt werden müsse".
Nicht minder ernst gemeint sind die am
21. Februar 1846 abgedruckten
"Karnevalsregeln für Mädchen!":
"Die Mädchen sollen seyn wie die
Lämmer, so rein und zart - und nicht wie die
Blumen: Sie müssen die Schmetterlinge
entfernt halten. Die Mädchen sollen seyn
wie die Oplaten und Geheimnisse bewahren
und wieder nicht wie die Oplaten:
nicht in der Leute Möuler kommen.
Die Mädchen sollen seyn wie Aelosharfen, so
süß und lieblich - und wiederum
nicht wie die Aelosharfen, sich so viel Wind
vormachen lassen. Die Mädchen
sollen seyn wie die Sonne, so einzig - und wiederum
nicht wie die Sonne: sie sollen Morgends
und Abends nicht erröten. - Die
Mädchen sollen seyn wie der Mond,
der Liebe zugethan - und widerum nicht
wie der Mond der fast alle Tage von
der rechten Bahn abweicht. - Die Mädchen
sollen seyn wie die Sterne, so erhaben
und doch so mild - und widerum nicht wie
die Sterne, sie sollen nicht allen
Leuten zublinken. - Die Mädchen sollen seyn wie
die Kirche, so ehrgebietend - und widerum
nicht wie die Kirche: Sie sollen nicht
mit allen Glocken zur Anbetung einladen.
- Die Mädchen sollen seyn wie die
Trauben, so voll sanften Saftes - und
widerum nicht wie die Trauben, an denen
lustige Vögel naschen."
Wie wir also sehen können, war auch
in Rastatt schon in den Vierzigerjahren des
19. Jahrhunderts ordentlich was los.
Die Veranstaltungen wurden bis etwa in
das Jahr 1890, wie den
Zeitungsannoncen zu entnehmen ist, fast
ausschließlich von den Rastatter Vereinen
durchgeführt, z.B.: den Bürgerverein
Germania, Eintracht und Freundschaft, dem
Pompiers Corps, den Gesangsvereinen und
sogar den Metzger - Gehilfenverein.
Die erste urkundlich erwähnte närrische
Gesellschaft war die im Jahre 1862 gegründete
"Narhalla". Honorige Männer der Stadt
waren es, die Rastatt das erstemal
als Verein organisiert und unter den Klängen
des Büttenmarsches das Heil in
der Narretei suchen ließen. Die
vom Chronisten überlieferten Namen der ersten
"Rastatter Narren" sind uns heute zwar
kaum noch geläufig, in ihrer Zeit hatten
sie aber einen guten Klang:
Gastwirt Görger, Fotograf Amann,
Kreuzwirt Föckler, Posthalter Hatz, Bierbrauer Prinz,
Zimmermeister Jäger, Bäckermeister
Kaupp, Kaufmann Martin
Glockengießer Kleinlein, Bierbrauer
Engelsberger, Assistent Weigel.
Doch diesem Verein war kein langes Leben
gegönnt. Die Kriegswirren von
1870 / 71 setzten dem närrischen
Treiben ein herbes Ende.
Erst 1894 erwachte Rastatt wieder aus
seinem Dornröschenschlaf und wurde von
einer neuen Generation zurück ins
Rampenlicht der Narretei gerückt.
Am 1. Dezember 1894 konnte man im "Rastatter
Wochenblatt" Nr. 142 folgendes
lesen:
Die in unserer Stadt früher so
beliebt gewessenen Masken - Redouten fanden mit einer
in den 70er Jahren zuletzt stattgehabten
ihren Abschluß. Seit dieser Zeit ist
hier nur wenig oder gar nicht dem Prinzen
Carneval gehuldigt worden. Nunmehr
aber wurden von den drei Vereinen "Kaufmännischer
Verein", "Humor" und
"Radfahrer - Club" beschlossen, einen
carnevalistischen Verein zu gründen..."
Nach der Aufzählung der beabsichtigten
Aktivitäten folgten noch die besten
Wünsche:
"... möge der junge Carneval
- Verein blühen, wachsen und gedeihen!
Vivat Jocus"
Im RaWobl. Nr. 148 vom 15.2.1894 erschien dann die erste Großanzeige:
Den Vorsitz diese neugegründeten "Carnevals
- Verein" übernahm der Hoflieferant
Adolf Niederbühl aus dem Dörfel.
| Adolf Niederbühl | 1. Vorsitzender |
| Clemens Hofmann | 2. Vorsitzender |
| Eduard Rosenberger | 1. Schriftführer |
| Herrmann Bader | 2. Schriftführer |
| Wilhelm Graf | 1. Kassier |
| Paul Jaus | 2. Kassier |
| Fritz Schnurr | Zeugwart |
| Franz Egem | Ceremonienmeister |
| Georg Nöth | Ceremonienmeister |
| Albert Hatz | Beisitzer |
| Wilhelm Zopff | Beisitzer |
Sodann ging man schleunigst an die Vorbereitung
der Faschingskampage. Neben
mehreren kleineren Veranstaltungen war
der Höhepunkt im Jahr 1895 der
große Maskenumzug mit 72 Gruppen.
Plakatt zum Faschingsumzug 1895
Das Programmheft zum Umzug 1895
Die "Vereinigten Wirthe Rastatt's" bei
der Zugaufstellung vor der Lützower - Kaserne
beim "Großen Maskenumzug" 1895
Der "Kaufmännische Verein Rastatt"
bei derselben Großveranstaltung
- Die Weltkugel im Rücken, die Zukunft
scharf im Blick!
Von nun an bis ins Jahr 1897 veranstaltete
der Carneval - Verein Rastatt unter
ebendiesem Namen und in nämlicher
Besetzung seine Veranstaltungen. Es gab da
einfache "Karnevalistische Sitzungen",
"Herren- und Damensitzungen", "Katersitzungen",
Maskenredouten und vieles mehr.
Am 3. März des Jahres 1897 trafen
sich die Mannen um Adolf Niederbühl zur
Saisonabschluß - Sitzung im Gasthof
"Zum Kreuz". Dort wurde auf Vorschlag des
Präsidenten Niederbühlbeschlossen:"...
beim
künftigen Inslebentreten des Vereins
demselben den Namen "Große Karnevalsgesellschaft"
beizulegen... " um Verwechslungen,
wie anscheinend vorgekommen, zu vermeiden.
Gesagt, getan!
Und genau hier ist die Geburtsstunde der
Großen
Karnevals - Gesellschaft Rastatt!
In der Kampagne 1897 / 98 trat die Gesellschaft
das erstemal unter ihrem heute
noch bekannten Namen in Erscheinung. Vor
genau 100 Jahren!
Man gab sich eben jenen neuen Namen und
trieb munter weiter Schabernack.
Und wie man aus dem Begriff "Inslebentreten"
sehen kann, war es in der damaligen
Zeit nicht üblich, daß ein
karnevalistischer Verein das ganze Jahr über
bestand hatte. Man traf sich im Oktober,
um die kommende närrische Zeit zusammen
zu feiern, und im März ging ein jeder
seiner eigenen Wege, bis die Fastnacht
aufs neue vor der Tür stand.
Elferrat 1898
Programmheft von 1896
Ein Mann sollte hier unbedingt noch Erwähnung
finden: Josef Mayer –
genannt „Mayer-Seppl“! Er war der große
Redenschreiber und Büttenredner
dieser Zeit. Ein von ihm überliefertes
Werk hat er sogar dem Präsidenten
Adolf Niederbühl persönlich
gewidmet.
Hier ein kurzer Auszug aus „Mayer-Seppels Rastatter allerlei“:
Sensationelle Enthüllungen von Rastatt für das zwanzigste Jahrhundert:
Im zwanzigsten Jahrhundert,
Da werdet Ihr verwundert
Rastatts erstehen sehen:
Zur Grosstadt aufgeblühet,
das Ländliche, das fliehet,
Und macht dem Aufschwung Platz.
Wo früher Festungswälle
Und wo Husarenställe
Die Stadt mit Duft versah’n
Da stehen heut’ Paläste
Für fremde Fürstengäste,
Weil Rastatt Residenz.
…
Und aus dem Brunnenhause
– der Stadttaglöhner Klause –
Die Sternenwart’ erstand.
Das „Grün“ ist auch verschwunden,
wo früher angebunden
Die Ochsen und die Küh’ –
Dort ist heut die Centrale
Für die „Papiergen’rale.
usw., usf.
Im Jahre 1900 sollte der nächste und
zunächst auch letzte Höhepunkt der
GroKaGe stattfinden.
Am 23. Januar 1899 trafen sich Vertreter
aller Rastatter Vereine, um zur
Jahrhundertwende den umwerfenden Erfolg
des Maskenzuges von 1895 zu
wiederholen.
Wie wir im nachhinein feststellen dürfen,
ist dieses Unternehmen
außerordentlich geglückt.
Doch dann war plötzlich Schluß.
Jeder kochte wieder sein eigenes
Süppchen. Man zog sich in seinen
ursprünglichen Verein zurück und
feierte dort. Die Gründe sind leider
nicht überliefert.
Das einzige, was mit Sicherheit belegt
ist, daß es ab 1908 wieder
vereinsorganisierte Fastnacht in Rastatt
gab. Eine Gruppe aus der
Turnerschaft von 1876 scharte sich um
den späteren Präsidenten der
GroKaGe, Karl Feger, und die närrische
Tradition lebte wieder auf.
Darauf weisen zwei Programmhefte aus den
Jahren 1908 und 1909 hin. In
dem einen heißt es noch „Karneval-Gesellschaft
der Turnerschaft von
1876“, dem anderen schon „Grosse Karneval-Gesellschaft
Rastatt von
1908“.
Erst in jüngster Vergangenheit sind
noch sicherere Beweise für diese
Vermutung aufgetaucht. Einträge aus
einem Protokollbuch aus dem Jahre
1908 lassen diese Erklärung als die
einzig logische zu. Dort wird unter
dem Datum von 10. März 08 erklärt,
daß die Turnerschaft Rastatt von 1876
die karnevalistische Tradition fortsetzt,
und man sich ab dem Jahr 1909
vereinstechnisch vom Turnverein loslösen
möchte. Am 19. Oktober 08 wird
die Namensgebung von „Carnevalsverein
Rastatt“ in „Grosse
Carnevals-Gesellschaft Rastatt“ beschlossen.
Das gesamte Anfangsinventar sowie die
meisten der Aktiven vor und hinter
der Bühne kamen nachgewiesenermaßen
aus den Reihen der Turnerschaft.
Von da an ging es steil bergauf. Der „Kleine
Rat“ setzte sich nach der
Wiederauferstehung wie folgt zusammen:
Karl Feger, Präsident
Dr. Hermsdorff
Karl Mann
August Degler
Wilhelm Oberst
Hans Fellner
Karl Emmert
Alfred Hausensteil
A. Misselwitz
Carl Frick
Gustav Schweitzer
Die oben erwähnten Herren waren alles
andere als Mauerblümchen in
unserer Stadt. Wie Sie, liebe Leser, auf
unseren verschiedenen
Originalaufnahmen aus der damaligen Zeit
sehen können, waren die Herren
Schweitzer, Feger und Co. zu fast jedem
Spaß bereit.
Wiederum wurden große Feste, Redouten,
Sitzungen und Maskenbälle
ausgerichtet. Die „Grosse Karnevals-Gesellschaft“
wurde zu einem
kulturellen Mittelpunkt Rastatts. Die
meisten der Veranstaltungen wurden
– des Platzes wegen – in den sogenannten
„Prunk- und Spiegelsälen des
Gasthauses „Zum Löwen“ abgehalten.
Umrahmt von so eleganten Gruppen, wie
dem „Männer Quartett Rastatt“,
spielte sich die Fastnacht in den damaligen
Jahren in einem schon feudal
zu nennenden Rahmen ab.
Doch auch diese Periode „närrischen
Schaffens“ wurde abrupt und
diesesmal sogar blutrünstig beendet.
Im Jahre 1914 setzten das Attentat
auf den österreichischen Thronfolger
in Sarajevo und der daraus
entsponnene 1. Weltkrieg dem Narrentum
ein kaltes Ende!
Vier Jahre tobten Kanonen und Bajonette
durch Europa. 1918 lag
Deutschland in Trümmern. Doch der
Prinz Karneval war glücklicherweise
nicht gefallen. Ab 1920 lebte er wieder
auf. Nach sechs Jahren der
Enthaltsamkeit versuchte die „Grosse Karnevals-Gesellschaft“
wieder den
Rastatter Bürgern das Lachen zurückzugeben
und Vergangenes vergessen zu
lassen.
Die Männer, die diesen abermaligen
Neuanfang machten, waren:
Karl Mann, Präsident
August Matheis
Heinrich Gertler
Karl Focke
Wilhelm Oberst
Bernhard Biesdorf
Albert Rosenbaum
Wilhelm Rapp
Georg Kirell
Architekt Dellert
Hans Fellner
In der Doppeljahrung 1923/24 konnte man
sich dann aber von Staats wegen
aufgrund der Wirtschaftslage nicht mehr
mit der Narretei einverstanden
erklären und verbot diese kurzerhand.
Da die Männer des Humors aber gerade
richtig in Schwung gekommen waren,
so überliefert uns ein Chronist,
flüchteten sie sich bis zur
Relegalisierung im Jahr 1925 in die Gesellschaft
„Ulk“.
In eben jenem Jahr 1925 wurde die GroKaGe
ihrem Ruf als
Fastnachtsmissionar das erste Mal gerecht.
Beim Neujahrsball 1925/26 in
der Carl-Franz-Halle war auch der Gaggenauer
Verleger Hans Eustachi
zugegen. Ihm hat diese Form von Humor
so gut gefallen, daß er nach
mehreren Gesprächen mit dem GroKaGe-Präsidenten
Mann im Spätjahr 1926
die GroKaGe Gaggenau gründet. Die
erste Sitzung fand im Jahr 1927 statt,
der gesamte „Kleine Rat“ der Rastatter
Gesellschaft nahm daran teil und
schenkte dem Gaggenauer Rat als „Geburtstagsgeschenk“
ihre Talare.
Von da an bis zur wohl dunkelsten Ecke
deutscher Geschichte – dem 2.
Weltkrieg – wogte das Narrenschiff mit
Prinz Jokus auf immer höher
brandenden Wellen nachweislich mindestens
bis ins Jahr 1936 – mündlichen
Überlieferungen zufolge sogar bis
1940! Doch dann kam das Aus!
II. Weltkrieg!!!
Wir schreiben das Jahr 1945.
Zwölf Jahre brauner Herrschaft und
sechs Jahre blutreicher Krieg sind
endlich vorbei. Die Rastatter Bevölkerung
untersteht der französischen
Besatzungsmacht, die jegliche Form von
Vereinstätigkeit kontrolliert und
gegebenenfalls verbietet.
Den Rastattern und Rastatterinnen war
es zu dieser Zeit auch nicht so
sehr um kulturelle Veranstaltungen oder
Belustigungen. Man war damit
beschäftigt, wieder in den friedlichen
Alltag zurückzukehren und einfach
zu überleben. Nahrungsmittel waren
knapp; die wenigsten wußten, wo sie
das Brot für den kommenden Tag herbekommen
sollten.
In einer so unsicheren Zeit ist es kein
Wunder, daß eine der schönsten
Nebensachen der Welt, der Karneval, die
Fastnacht, weitestgehend in
Vergessenheit geriet. Im Laufe der braunen
Diktatur war die Gro-Ka-Ge
verboten worden. Und jetzt hatte man andere
Sorgen, als mit Inbrunst und
Begeisterung „HELAU“ zu rufen.
Im Jahr 1947 war es dann endlich soweit.
Die Rastatter Fastnacht erlebte
ihre Wiedergeburt. Eine kleine Narrenschar
wollte das Brauchtum wieder
aufleben lassen und die Rastatter aus
ihrer noch kriegsbedingten
Lethargie reißen und zum Lachen
bringen.
Am Fastnachtssonntag zwischen 14 und 18
Uhr (eine andere Zeit war von
der Besatzungsmacht nicht genehmigt worden)
fand in der Fruchthalle ein
stimmungsvoller Nachmittag statt. So mancher
Besucher hatte seine letzte
Flasche Wein oder Most aus dem Kellerversteck
geholt (ganz ohne wollte
man auch damals nicht feiern) und ging
guter Dinge zu dieser ersten
Nachkriegsfastnachstveranstaltung.
Der Initiator dieser Sitzung Hermann (Lollo)
Senftle hatte es aufgrund
seiner guten Beziehungen zu der französischen
Militärregierung
geschafft, für eine solche Veranstaltung
die Genehmigung zu erhalten und
so die Fastnacht in Rastatt wiederzuerwecken.
Ein in der Not geborener Elferrat unter
Vorsitz des letzten vor
Kriegsausbruch amtierenden und somit wiederernannten
Präsidenten Franz
Hörner wurde von der mit Entbehrungen
geschlagenen Rastatter Bevölkerung
begeistert und unter Jubelstürmen
begrüßt.
Verschiedene Abteilungen des Rastatter
Turnvereins, das Rastatter
Männerquartett und Anton Kunz, seines
Zeichens Elferrat und Komiker,
verstanden es, die Menschen in Fastnachtsstimmung
zu bringen.
Der Chronist hielt damals enthusiastisch
fest:
„Dieser Fastnachtssonntagnachmittag wird
noch lange in Erinnerung
bleiben und Ansporn sein zum Weitermachen.“
Die Gro-Ka-Ge war auferstanden!
Unter Mühen und Qualen schleppte
man sich dahin, immer auf der Suche
nach Anschluß an die glorreichen
und glanzvollen Vorkriegstage, als die
Fastnachtsbälle der Gro-Ka-Ge zu
den gesellschaftlichen Glanzpunkten
Rastatts gehörten. Es wollte noch
nicht wieder so rund laufen. Doch
Franz Hörner gab nicht auf und versammelte
gestandene Rastatter Männer
um sich, damit die Tradition, die gerademal
gerettet werden konnte,
nicht doch noch untergehe.
In der Vorstandschaft der GroKaGe 1947
fanden sich:
Franz Hörner, Präsident und
Hofmarschall
Hermann Merklinger, Vizemarschall
Ernst-Otto Sprauer, Protokollführer
Fritz Salzgeber, Finanzminister
Karl Kirchberger, Arbeitsminister
Anton Sax, Innere Angelegenheiten
Herrmann Streckel, Propagandaminister
Franz Klumpp, Außenminister
Josef Dietsche, Versorgungsminister
Konrad Schötz, Kulturminister
Fritz Heim, Wirschaftsminister
Dann war es endlich soweit! Am 11.11.1949
fand die Wahlversammlung im
„Braustübl“ statt. Auf dem Programm
standen die Wahl des
Narrenpräsidenten, Franz Hörner,
und die Taufe des Karnevalsprinzen,
Prinz Severin IX., auch „Lebkuchenprinz“
genannt. Zu diesem Anlaß
erwähnt der Vereinschronist zum ersten
Mal den Namen eines Auftretenden,
der Jahre später die Geschicke der
Gesellschaft als Präsident lenken und
den Verein wie kaum ein anderer prägen
sollte: Dieter Jockers.
Doch weiter in der Geschichte der wiedererstarkten
Gro-Ka-Ge. Es wurden
etliche Veranstaltungen durchgeführt:
Damen- und Herrensitzungen,
Maskenbälle, Redouten. All das, was
damals zum Programm eines
kulturellen Vereins gehörte lief
in den Rastatter Fastnachtshochburgen
„Goldener Wagen“, „Krone“, „Goldenes Kreuz“
und „Löwen“ ab.
Auch wurden in diesem Jahr zum ersten
Mal eine männliche Tanzgarde sowie
ein Vorläufer des heutigen Großen
Rates aus der Taufe gehoben.
Mit soviel Erfolg und Mut zu Neuem gestärkt,
fand die Gro-Ka-Ge
allmählich wieder zu ihrer alten
Form zurück. Trotz der Jahre des
Aufbaus und der Kriegsnachwehen war man
in den Fünziger Jahren ein ganz
und gar aufstrebender Verein, der sich
seinen Platz auf dem Parkett der
städtischen Kulturebene wieder zurückeroberte.
Doch dies sagt sich heute so leicht. Die
Männer der ersten Stunde nach
dem Zusammenbruch hatte mit völlig
anderen Schwierigkeiten zu kämpfen,
als wir es in unseren Tagen müssen.
Abgesehen von der Tatsache, daß
die Gro-Ka-Ge schon wieder an ihren
alten Maßstäben gemessen wurde,
was Leistung und Niveau anging, standen
in den Wiederanfängen Widrigkeiten
technischer sowie finanzieller Natur
dem Humor und der Fröhlichkeit im
Weg.
Aber all diesen Haken und Ösen zum
Trotz überstand die Gesellschaft
diese Anlaufschwierigkeiten recht gut
und zeigte den Rastattern auch bei
der Eröffnung der darauffolgenden
Kampagne 50/51, am Elften im Elften
1950, was es heißt, eine wahrhaft
prunkvolle Prinzengeburt zu
zelebrieren.
Der Presse in diesen Tagen können
wir folgenden Wortlaut entnehmen:
„Selbst alte Narren erinnern sich kaum
mehr daran, wann zum letzten Mal
die Geburt eines Rastatter Karnevalsprinzen
ein solch pompöses Ereignis
war. Bis auf den letzten Platz war der
Museumssaal gefüllt, und
Ungezählte mußten nach einem
Blick in den Saal, in dem für Rastatter
Verhältnisse ungewöhnlich früh
Hochstimmung herrschte, den Heimweg
antreten.
Die Gro-Ka-Ge hat den Fasching eröffnet.
Rastatts Gro-Ka-Ge hat
gehalten, was sie versprochen hatte. Getreu
der alten Tradition wurde
die Faschingszeit mit Stimmung und Humor
eröffnet.“
Das „Zeremoniell der prinzlichen Erdenkunft
des Theophil I.“, wie im
Programm nachzulesen ist, wurden von Tänzerinnen
des Turnvereins unter
Leitung von Änne Köhler umrahmt,
und das von Ernst-Otto Sprauer – der
später noch von sich zu hören
machen wird – gedichtete Lied „Ja, so ein
Rastatter Mädel“ hatte an diesem
Abend Premiere. Es sollte nicht das
letzte Lied bleiben, das die Gro-Ka-Ge
auf ihre Heimatstadt komponieren
und texten sollte.
Der Elferrat in der Kampagne 1950/51 bestand
aus folgenden Herren:
Franz Hörner, Präsident
Herrmann Merklinger, Vizepräsident
Fritz Salzgeber, Schatzmeister
E. O. Sprauer , Protokoller
Anton Sax
Konrad Schötz
Franz Klumpp
Hermann Streckel
Fritz Heim
Joseph Dietsche
Karl Kirchberger
Franz Fischer
Karl Focke war Ehrenpräsident und
Karl Moser Ehrenrat.
Schon in diesen ersten Jahren des Wiederaufbaus
wurden die Leitlinien
der Gesellschaft klar umrissen:
Allen zur Freud,
niemand zu Leid!
Munter und fröhlich zog man durch
die Vielzahl der närrischen
Veranstaltungen, vergnügte sich und
ließ es sich gutgehen. Die Zeiten
der Entbehrungen waren vorüber; man
feierte, was das Zeug hielt.
Die Kampagne 1951/52 sowie das Jahr 1952 hatten in mehrfacher Hinsicht
historischen Wert für die Gesellschaft.
Zum einen feierte die Gro-Ka-Ge, bezugnehmend
auf die erste närrische
Erwähnung in unserer Stadt im Jahre
1862, die bereits erwähnte Narhalla
zu Rastatt, ihr 90. Jubiläum. Zweitens
fand in diesem Jahr der erste
Fastnachtsumzug nach dem Zweiten Weltkrieg
statt, und drittens wurde man
in diesem Jahr offiziell in das Vereinsregister
des Amtsgerichtes
Rastatt eingetragen.
Einem Jubiläum entsprechend wurden
die Vorbereitungen auf die Sitzungen
und anderen Veranstaltungen mit vollem
Einsatz aller vorwärtsgetrieben.
Da man nicht nur eine Jubiläumssitzung
mit geschichtlichem Abriß der
Vereinschronik auf die Beine zu stellen
hatte, sondern auch einen
Fasnachtsumzug sowie die endgültige
vereinsrechtliche Legalisierung,
arbeiteten alle GroKaGeler mit Feuereifer.
Es wurde ein Erfolg, wenn auch mit einem
etwas unorthodoxen Jubiläum,
aber damals war die Geschichtsschreibung
noch nicht ganz soweit
fortgeschritten, als daß man unseren
Altvorderen einen Vorwurf ob ihres
vorgezogenen runden Geburtstages machen
dürfe.
Ein Unikum besonderer, wenn auch nicht
erfreulicher, Güte trug sich in
diesem Jahr ebenfalls zu. Die Gro-Ka-Ge
war aus jeweils gesundheitlichen
Gründen gezwungen innerhalb eines
Jahres drei verschiedenen Präsidenten
das Ruder des Narrenschiffes in die Hand
zu geben. Daß dies die Arbeit
in einem so ereignisreichen Jahr nicht
erleichtert, dürfte jedem klar
sein. Doch auch diesen Sturm haben Rastatts
älteste Narren überstanden.
Nach Franz Hörner, Karl Focke und
Carl-August Weber, die alle auf ihre
Weise großes für den Verein
geleistet hatten, übernahm in der Kampagne
1953/54 Ernst-Otto Sprauer das Präsidentenamt.
Er ist der große
Initiator auf dem Gebiet des Karneval.
Als Protokoller hat er sich seine
ersten närrischen Sporen verdient
und soll in den Jahren seiner
Regentschaft den Verein in ungeahnte Höhen
führen. Sein Hauptaugenmerk
richtet Ernst-Otto Sprauer auf den Nachwuchs,
denn diesem, so erkannte
er schon damals, gehöre schließlich
die Zukunft!
Eine weitere erwähnenswerte Figur
der Rastatter Fastnacht in diesen
Jahren war Paul Reuter. Als treffsicherer
Glossierer Rastatter
Begebenheiten, als Leute-Sepp, Büttel,
Vater und Sohn sowie als Diogenes
begeisterte er das GroKaGe-Publikum.
Leider sollte die Präsidentschaft
von Ernst-Otto Sprauer nicht sehr
lange dauern. Nachdem er den Verein in
zweijähriger und mühseliger
Arbeit in die Höhe gebracht hatte,
raffte ihn eine heimtückische
Krankheit dahin. Die GroKaGe verlor einen
großen Denker und Lenker!
In Ernst-Otto Sprauers Amtszeit fielen
so herausragende Dinge wie die
fastnachtlichen Galaabende mit Heinz Schenk,
die Förderung junger
Talente, die sich bei genauem Hinsehen
in über vierzig Jahren zu
unersetzlichen Stützen der Gesellschaft
entwickelt haben (Hans Reuter,
Kurt Kobus, Siegfried Karcher, um nur
drei zu nennen), Eintritt in den
„Bund Deutscher Karneval“ und in die „Vereinigung
Badisch-Pfälzischer
Karnevalsvereine“.
Aufgrund der schweren Krankheit Ernst-Otto
Sprauers wurde der Große Rat
Julius Schwab von der Vorstandschaft zum
Geschäftsführer ernannt. Diese
Position hatte er bis zu seinem Rücktritt
im Jahre 1963 inne. Julius
Schwab widmete sich mit aller Kraft dem
Aufbau unsere Gesellschaft
widmete, und er pflegte wie kaum ein anderer
die guten Kontakte zu
befreundeten Vereinen. Auch hat er zusammen
mit Herrmann Schindhelm dem
von Dr. Großmann erdachten Ulk-Paar
„Hoiner und Boiner“ aus dem
„Badischen Tagblatt“ Leben auf der Bühne
eingehaucht.
Sprauers Nachfolger im Präsidentenamt
wurde Hans Winter!
In das Jahr 1957 fällt die Gründung
der Schloßwache und der
Prinzengarde. Die Schloßwache hatte
ihren ersten offiziellen Auftritt
bei der Masken-Redoute im Löwensaal
am 23. Februar 1957 als Begleitgarde
des Prinzen Siegfried I. (Siegfried Karcher).
Die Prinzengarde wird das
„Geschenk der Stadt Rastatt zum Jubiläum“
(O-Ton OB Kunze). Gemeint
waren wohl die Kostüme, nicht die
Damen...
Am 3. November wird die Standarde der
Schloßwache feierlich in der
Herz-Jesu-Kirche im Dörfel geweiht!
Standardenführer war damals der
heutige Senator Siegfried Karcher.
Gründungsmitglieder der Prinzengarde
im Jahre 1957 waren:
Gisela Sauerbrunn
Uta Unshelm
Karin Wilk
Käthe Stang
Inge Sax
Hildegard Messmann
Heide Lippik
Ursula Ludwig
Hannelore Schild
Ursula Schneider
Leitung: Änne Köhler
Gründungsmitglieder der Schloßwache:
Richard Riemer, Kommandeur
Werner Nagel, 1. Offizier
Siegfried Karcher
Alfred Warth
Hans Burckhard
Hans Kronenthaler
Günter Borchard
Rolf Greiser
Heinz Heid
Günter Lehmann
Inge Riemer, Tanzmariechen
Die meisten der ersten „GroKaGe-Landser“
waren von der Freiwilligen
Feuerwehr zur Gesellschaft gestoßen.
Das Jahr 1959 bietet dem Chronisten so
manches Außergewöhnliche zu
berichten. So konnte bei der Jahreshauptversammlung
der GroKaGe im April
nach dem Rücktritt von Hans Winter
kein neuer Präsident gefunden werden.
Julius Schwab übernimmt kommisarisch
als Vize die Leitung des Vereins.
Im Juli des selben Jahres erhält
Karl Kirchberger den „Goldenen Löwen“
mit der eindrucksvollen fortlaufenden
Nummer 2! Die Nummer 1 erhielt der
Ehrenpräsident der Vereinigung Badisch-Pfälzischer
Karnevalsvereine,
Wilhelm Zickgraf.
Im Oktober endlich schaffte es der Verein,
sich aus der Bredouille der
Präsidentenlosigkeit zu retten. In
einer außerordentlichen
Mitgliederversammlung wird Alfred Fütterer
zum neuen Präsidenten
gewählt. Am 11.11.59 werden Hans
Reuter und Dieter Jockers feierlich in
den Elferrat aufgenommen! Damit hat die
Gesellschaft den Grundstock für
einen dreißigjährigen Aufschwung
der Rastatter Fastnacht gelegt.
Die Kampagne 1960/61 läßt uns
zwei weitere Meilensteine in der
Geschichte der GroKaGe finden. Zum einen
ließ Dieter Jockers zum ersten
Mal als „Stotterkarle“ des Publikums Zwerchfelle
beben, und zum zweiten
ist es die Geburtsstunde des „Türkenlouisordens“,
der für besondere
Verdienste an aktive Mitglieder verliehen
werden sollte.
Aber auch Bedauerliches muß man
aus diesem Jahr berichten. Hedwig
Heidmann, die jahrelang zusammen mit Kurt
Kobus als „Anna und Andres“
die Lacher auf ihrer Seite hatte, stirbt.
In der darauffolgenden Session wird Erich
Mayer als „Goldener Mann“ aus
der Taufe gehoben, eine Figur, mit Scharfsinn
und Witz, die auch heute
noch von Mayers Nachfolgern (Herbert Philipp,
Bernd Nieswandt) in Ehren
gehalten und von den Politkern als treffend
gefürchtet wird.
Lilo Habicht schreibt zur Großen
Prunk- und Fremdensitzung 1962 ihr
Rastatter Lied.
Präsident Alfred Fütterer tritt
aus persönlichen Gründen zurück.
Kommissarischer Vereinsführer wird
bis zu den Neuwahlen
Sitzungspräsident Dieter Jockers.
Das Narrenschiff hat sich in ruhigere
See manövriert und ist auf bestem
Weg, Talent um Talent aufzuspüren und
dem närrischen Reigen zuzuführen.
So auch Kurt Kobus, der zwar schon in
etlichen Rollen auf der Bühne stand,
aber 1963 seine Premiere als die
heute allseits bekannte „Doofe Nuß“
gab.
Anton Sax wird neuer Präsident der
Gesellschaft.
Nun kommen wir zum Jahr 1965, das so manchen
geschichtlichen Einschnitt
für uns bereithält. Zum ersten
fand am 28. Februar der „1. Rastatter
Fastnachts-Kinderumzug“ statt. Aus diesem
entwickelte sich im Lauf der
Jahre der „Rastatter Fastnachtsumzug“.
Umzugskomitée von 1965 – 1969:
Herbert Leibold, Vorsitzender
Hans Boos
Julius Schwab
Charly Dussel
Hans Burckhard
Günter Bender
Holger Haas
Hans Moser
Dieter Jockers
Gerd Rieger
Hans Peter Ruf
Herbert Thom
Auf den wollen wir bei passender Gelegenheit
näher eingehen. Zum zweiten
wird mal wird die Präsidentschaft
vakant. Anton Sax tritt zurück und
macht somit Platz für die „junge
Garde“. Am 8. Mai 1965 wird Dieter
Jockers zum Präsidenten der Gesellschaft
gewählt.
Langsam nimmt die Mannschaft – die in
den kommenden rund 30 Jahren das
Narrenschiff der GroKaGe lenken und zu
bis dahin ungeahnten Erfolgen
führen soll – Formen an.
Der Elferrat im Jahr 1965 setzt sich aus
folgenden Personen zusammen:
Dieter Jockers, Präsident
Herbert Leibold, Vizepräsident
Hans Reuter, Protokoller
Erich Mayer, Schriftführer
Hans Moser, Kassier
Werner Kersten, Requisiten
Hans Boos
Siegfried Karcher
Kurt Kobus
Herbert Full
Hans Burckhard
Am 28. April 1966 hat sich das Duo komplettiert.
Hans Reuter wird als
Nachfolger des in den Ehrensenat erhobenen
Herbert Leibold zum
Vizepräsidenten gewählt. Nun
ist das Führungsteam perfekt.
„Was der eine nicht weiß, fällt
dem anderen bestimmt ein.“ Nach dieser
Prämisse haben die zwei – Dieter
Jockers und Hans Reuter – die
Gesellschaft durch Höhen und Tiefen
und von Erfolg zu Erfolg geführt.
Wer jedoch glaubt, daß sie und ihre
Mitstreiter der närrischen Sache es
leicht gehabt hätten, der irrt. Es
lag so mancher dicke Stein im Weg,
der noch zur Seite gerollt werden mußte.
Denn die „Altvorderen“ waren –
wie bei jedem Generationswechsel, der
mit einem Machtwechsel einhergeht
– nicht immer einer Meinung mit den „jungen
Wilden“! Doch wie fast
überall setzte sich auch in der GroKaGe
der frische Schwung durch und
katapultierte den Verein mit Macht nach
vorn.
So rang man sich im Jahr 1967, in der
Presse als Schritt in die Zukunft
gepriesen, zu einer zweiten Sitzung durch,
was ein voller Erfolg wurde!
Dann kam das Jubiläumsjahr 1968.
Man feierte, damals noch im Glauben,
1908 gegründet worden zu sein, das
60jährige. Hierzu ließen sich die
Verantwortlichen etwas ganz Besonderes
einfallen.
Doch zuerst kam der Elfte im Elften des
Jahres 1967. An diesem Tag war
der OB Prof. Dr. Richard Kunze exakt 11
Jahre, 11 Monate und 11 Tage im
Amt. Dies war für die GroKaGe Anlaß
genug, eine „internationale
Pressekonferenz“ im Rastatter Rathaus
einzuberufen. Unter Beteiligung
von so renomierten Blättern, wie
„Neues Deutschland (Elfer Hans Boos),
„Le Figaro“ (Vize Hans Reuter), „Rheinauer
Hinkender Bote“ (Kurt Kobus),
„Times“ (Siegfried Karcher), „Berliner
Morgenpost“ (Werner Kersten),
usw. wurde die närrische Weltpolitik
erörtert und auf Einladung des OB
in der „Blume“ bei einem Umtrunk fröhlich
wieder zur Seite gelegt.
Ein weiters Novum erwartete die Sitzungsgäste
im Jahr 1968. Zum ersten
Mal war die Sitzung zweigeteilt. Teil
1: Konservativer Karnevalsteil.
Teil 2: Show-Teil! Und dieser stand unter
dem Motto: „Die GroKaGe im
Orient“! Die Idee zu dieser Zweiteilung
kam von Philipp Lawo (Fa.
Heudorf), der auch den Dekorateur hierfür
zur Verfügung stellte.
Aber auch in der nicht närrisch-verseuchten
Zeit hat die GroKaGe immer
wieder Wege gefunden, ihre Mitglieder
zusammenzuführen. So wurde zum
Beispiel im Juli desselben Jahres auf
dem RSC-Gelände ein Sommerfest mit
Gulaschkanone, Handballspiel zwischen
großem und Elferrat sowie einem
Preisskat durchgeführt.
Ganz nebenher stand die GroKaGe im Frühjahr
1968 noch schnell mal Pate,
als es darum ging, den Ettlinger Carnevals-Verein
aus der Taufe zu
heben. Als Gründungsgeschenk brachten
die GroKaGeler einfach ihr
närrisches Programm mit und gestalteten
somit die halbe Gründungssitzung
in Ettlingen.
Ebenfalls im Jubeljahr mußte die
GroKaGe Abschied von einer Rastatter
Fastnachsthochburg nehmen. Der „Golden
Wagen“ (heute BNN, Kaiserstraße)
mußte dem Druck der Zeit weichen.
Ein Stück Rastatter Tradition fiel der
Spitzhacke zum Opfer.
Nun ging es stetig bergauf. Sowohl bei
den Sitzungen als auch beim Umzug
wurde wahrhaft professionell gearbeitet.
Denn bei einer
Zugteilnehmerzahl von über 60 Gruppen
und Wagen kann man die
Organisation nicht mehr dem Zufall überlassen.
Dieter Jockers übernahm
auch den Vorsitz im Umzugskomitée,
was im Laufe der Zeit zu der
Konstellation führte, die auch heuer
im Jahr 1998 noch existent ist. Das
Umzugskomitée wurde ein Teil der
GroKaGe.
In der Kampagne 1969/70 erlebte eine uralte
GroKaGe-Tradition ihr
Comeback. Ein Herrenballett betrat die
Bretter, die wohl die Welt
bedeuten. Unter der Leitung von Gisela
Matthes „schwebten“ die Grazien
mit Schnurrbart über die Bühne.
Ein Erfolgsgarant war wiedergeboren.
Denn auch heute noch ist das Männerballett
einer der erklärten
Höhepunkte einer jeden Sitzung!
Eine Einrichtung, die jahrelang nicht
mehr von der GroKaGe-Bühne
wegzudenken war, erblickte am 11.11.1971
das Licht der Welt: Das
„Katastrophen-Orchester“! Unter taktstock-schwingender
Leitung von Hans
Reuter bliesen, strichen, klopften und
zupften da Elferräte, Große Räte,
andere Aktive... und solche, die es noch
werden wollten. Von „The Opèra“
bis zur englischen Nationalhymne „God
save our gracious Queen“ (zu
badisch: „Gott, sauft unsere Königin!“)
war den Katastrophen-Musikern
absolut nichts heilig!
In den nun folgenden Jahren wurde so manches
Große geleistet. Im Jahre
1972 wurde zum ersten Mal die Sitzung
für die älteren Mitbürger der
Stadt durchgeführt. Diese Tradition
wird auch heute noch hochgehalten.
1973 stand man Pate, als es darum ging,
den ECV (Ettlinger
Carnevals-Verein) zur Aufnahme im Bund
Badisch-Pfälzischer
Karnevalsvereine zu begleiten. Der Fastnachtsumzug,
genauer gesagt die
Organisation, wurde sowohl inhaltlich
als auch finanziell als
eigenständige und eigenverantwortliche
Gruppe der GroKaGe angegliedert.
Aus den schon im Alleingang lachgewalttätigen
Figuren „D’r häsere
Hannes“, „Die doofe Nuß“ und „Stotterkarle“
wird in Kombination mit der
als Wirtin „Pflothild“ agierenden Gerlinde
Heid der „Stammtisch“
geboren. Für Kenner der Materie:
Ein Glanzstück jeder Sitzung und für
viele allein schon Grund des Sitzungebesuchs!
In der Kampagne ging die GroKaGe aufgrund
der laufenden Eingemeindungen
der umliegenden Ortschaften auf eine sogenannte
„Werbetour“ durch das
Ried. Man veranstaltete in Plittersdorf,
Ottersdorf und Wintersdorf
Sitzungen und Galaabende.
1975 ging die Gesellschaft erstmals das
größtmögliche Programm an zwei
Wochenenden. Vier Abendveranstaltungen
plus die Sitzung für die älteren
Mitbürger am Sonntagnachmittag. Am
Rosenmontag und Fachingsdienstag gab
es nach vollzogenem sonntäglichem
Fastnachtsumzug noch die Kinder- und
Jugendmaskenbälle in der Fruchthalle
zu gestalten und durchzuführen.
Allein aus dem Blickwinkel heraus, daß
alle Mitwirkenden Amateure sind
und die Fastnacht ihr Hobby ist, sollte
man diese Leistung betrachten.
Insbesondere jene Aktive, die niemals
in den Vordergrund treten, ohne
deren Wirken aber weder eine Sitzung noch
ein Fastnachtsumzug
funktionieren kann. Ob Dekoration, Wagenbau,
Anfertigen von Kostümen und
Hüten sowie die musikalische und
technische Begleitung sind ein
unabdingbares Muß. Im Lauf der Jahre
haben sich hierbei eine Unzahl von
Mitgliedern und Nichtmitgliedern um die
GroKaGe verdient gemacht:
Kostüme und Hüte: Gerlinde Heid,
Waltraud Reuter, Heike Dussel, Helga
Karcher, Firma Mieder-Walz, Helmi Henszler,
Frau Braun, Anna Gress,
Bernadette Kolenda, Doris Hutt, Elona
Weßbecher, Helga Hansmann
Requisite: Gretel und Werner Kersten,
Wolfgang Thom, Birgit und
Hansjürgen Lachmaier
Masken und Frisuren: Karl Moser, Hans
Moser, Eugen Philipp, Brunhilde
Palmer, Anette Palmer, Margot Lachmaier,
Cordula Heinrich, Erika
Kistner, Monika Borgiel, Manuela Borgiel,
Ute König, Biserka Huschwar
Dekoration: Richard Riemer, Otto Mayer,
Fa. Heudorf, Charly Dussel,
Senol Kirpikcioglu, Siegfried Karcher,
Hans Burckhard, Rudi Schulze,
Horst Kistner, Norbert Mezger, Ingo Tögel
(Entwurf)
Hofmaler: Alfred und Horst Wiegele, Thomas
Rößler
Abendregieleitung: Franz Heidmann, Hans
Hoffmann, Herbert Philipp,
Siegfried Jockers
Kapellen: Blau-Weiß, Blue-White,
Baden Brass Band
Licht- und Tontechnik: Otto Hochreiter,
Franz Wieber, Gerhard Sauer,
Wolfgang Habicht, Günter Kropp, Martin
Kastner, Rainer Mauksch, Dirk
Jähnichen
In die 70er-Jahre fallen auch die ersten,
mittlerweile legendär
gewordenen, Hoffeste im „Weinhaus Blach“.
Ob an Stadtfesten, gemeinsamen
Veranstaltungen mit dem Rastatter „Lions-Club“
oder als
„Calabrich-Fest“, in den ehrwürdigen
Mauern des in der Engelstraße
gelegenen Hofes hat die Gesellschaft so
manches Faß aufgemacht, und gar
mancher Geburtstag wurde darin gefeiert.
Leider fiel diese fast schon
Institution zu nennende Einrichtung der
Stadtsanierung zum Opfer. Aber
schön war es trotzdem!
Im Lauf der Jahre kommen auch die GroKaGeler
in dieselben. Das sieht man
zum Beispiel im Jahr 1980, wo allein sechs
Mitglieder der Gesellschaft
die höchste Auszeichnung der badisch-Pfälzischen
Vereinigung erhielten:
Den Goldenen Löwen! Voraussetzung
für diesen Orden sind sogenannte „22
Punkte“, die man sich durch Aktivenjahre
(pro Jahr gibt es einen halben
Punkt) erarbeiten muß.
Aber nicht nur Auszeichnungen konnte die
Gesellschaft in diesem Jahr
entgegennehmen, man mußte sich von
etwas in vielen Jahren liebgewonnenem
trennen. Das Vereinslokal „Zum Salmen“
wird geschlossen. Am 16.12.1980
feierte die GroKaGe ein rauschendes Abschiedsfest
in den von Rudi Kühn
so heimelich gestalteten Hallen. Es hieß
ade – ade zum Salmen, zu
unserem Kühne-Rudel, ade zu unserem
ach so geliebten Eulen-Nest, das die
Zentrale der GroKaGe war. Das neue Vereinlokal
wird das Hotel
Brückenhof.
Schon ein Jahr später kam es ordenstechnisch
noch „doller“. Die zwei
„Obernarren“ (Dieter Jockers und Hans
Reuter) erhielten am 5. Dezember
1981 in Speyer den Verdienst-Orden des
Bundes Deutscher Karneval in
Silber.
Trotz hochdekorierter Brüste hat
man bei der GroKaGe nie das eigentliche
Ziel aus den Augen verloren: Freude bereiten!
So auch alljährlich im
Seniorentreff „Zur offenen Tür“,
wo man immer am Rosenmontag mit offenen
Armen empfangen wurde und die besten Schmankerl
der zurückliegenden
Sitzungen zum besten gab.
In der Kampagne 1983/84 – zum 900. Geburtstag
der Stadt Rastatt –
widmete natürlich auch die GroKaGe
ihre Sitzungen diesem Fest. Mit
Hofmarschall, Hofkanzler, Troubadouren
und dem Goldenen Mann beging die
Gesellschaft diese Feier auf ihre eigene
närrische Art und Weise. Selbst
die manchmal sehr kritische Presse konnte
sich ein Lob nicht verkneifen:
Man habe sich selbst übertroffen
mit dieser dem Türkenlouis gewidmeten
Gala-Sitzung! Auch bei der im darauffolgenden
Sommer stattfindenden 900
Jahr-Feier war die GroKaGe vertreten.
Mit einem 400 Mann-Zelt im
Schloßhof sorgte man für Bewirtung,
und die reiche Erfahrung des
Umzugskomitées war beim Historischen
Umzug mehr als gefragt. Der Zug
wurde von der Gesellschaft organisiert.
Auch beim Singspiel „Unsere
Stadt“ waren Rastatts älteste Narren
vorne mit dabei.
1984 vollzieht sich dann ein weiterer
Generationswechsel. Zwar nicht an
der Spitze des Vereins, so doch an einer
entscheidenden Stelle. Der
jahrzehntelang als Schloßwachen-Kommandeur
tätige Hans Sauerbrunn tritt
zurück, und mit ihm schwindet die
Ist-Stärke der Schloßwache auf
annähernd Null! Jetzt was tun? Man
suchte fast schon krampfhaft einen
Nachfolger für Hans Sauerbrunn. Und
fand ihn in dem altgedienten
Schloßwachensoldaten Edgar Hatz.
Doch die Suche nach einem „Leithammel“
war lang nicht das schwierigste. Denn
ohne Soldaten ist jeder General
aufgeschmissen. So beschloß man
kurzerhand, daß alle Elferräte, die über
männlichen Nachwuchs in passendem
Alter verfügten, diesen zum
„närrischen Kommiß“ zu schicken
hätten. So geschah es. Und am 6. Januar
1985 stellte sich die neuformierte Gruppe
um den alten Hasen Edgar Hatz
mit dem Tanzmariechen Conny Kurz der Gesellschaft
und befreundeten
Vereinen bei der Ordensmatinée
in der Fruchthalle vor.
Wie im Verlauf der Geschichte erwähnt,
wollen wir natürlich auch den
Umzug nicht vergessen. Da auch hier immer
wieder Highlights – positive
wie negative – aufblitzen. Ein Desaster
mußte das Komitée, unter der
Führung von Elfer Heinz Heid, zum
Beispiel im Jahr 1986 hinnehmen.
Übelstes Wetter, kaum Besucher: ein
klares Minusgeschäft. Die Stadt
Rastatt half glücklicherweise aus,
da der Umzug schließlich nicht ein
vereinseigene Veranstaltung, sondern der
ganzen Stadt nützlich sei. In
dieser etwa unglücklichen Lage wechselte
auch noch aus beruflichen
Gründen die Spitze des Komitées.
Präsident Dieter Jockers mußte bis zur
Wahl eines Nachfolgers kommissarisch die
Leitung des Zuges übernehmen.
1987 wird Siegfried Jockers – bisher Schriftfüher
– zum Vorsitzenden des
Umzugskomitées gewählt. Er
konnte auf die Unterstützung und Mitarbeit
von einer Vielzahl erfahrener Komittéemitglieder
zurückgreifen.
Umzugskomitée im Jahr 1987:
Gerd Rieger, Hans Peter Ruf, Rolf Merkel,
Werner Gottwald, Wolfgang
Drechsler, Helmut Schlag, Wolfgang Falk,
Klaus Sutter, Reiner Heinrich,
Siegfried Weßbecher.
Im selben Jahr begab man sich auf den Weg
in die Kampagne zum 90jährigen
Bestehen. Denn mittlerweile war durch
den ehemaligen Stadtarchivar
Walter Ziegler herausgefunden worden,
daß sich die Gesellschaft nicht
erst auf die Wiedergründung im Jahre
1908, sondern schon auf die erste
namentliche Erwähnung im Jahr 1898
beziehen kann.
Im Jubeljahr 1988 kam es zu einer ganz
besonderen Ehrung. Alfred
Fütterer, ehemaliger Präsident
und zu diesem Zeitpunkt bereits
Ehrensenator, wird für 65jährige
Mitgliedschaft zum „Erzträger des
Goldenen Löwen“ ernannt. Dieter Jockers
und Hans Reuter erhielten von
Bürgermeister Mockert die Landesehrennadel
des Landes Baden-Würtemberg
verliehen.
Solche und andere Ehrungen kann man allerdings
nicht nur durch kräftiges
Helau-Rufen erringen. Das Ansinnen der
GroKaGe war und ist es, das
kulturelle Leben der Stadt zu bereichern.
So durch die Teilnahme an
Festen, Unterstützung der Senioren
und Hilfestellung bei Planungen, die
das Normalmaß anderer Vereine überschreitet.
So ließ man sich auch nicht
lange bitten, als es 1988 darum ging,
im Schloßhof anläßlich des
Badischen Landesturnfestes ein 1600-Mann-Zelt
zusammen mit der Apollonia
zu bewirten. Dort kamen auch die mittlerweile
bekannten blauen
Winzerkittel erstmalig zum Einsatz.
1989 kann der Rastatter Fastnachtsumzug
auf 25 Jahre ununterbrochene
Fröhlichkeit zurückblicken.
Dies wird im Rahmen des Elften im Elften
gebührend gefeiert und auch im Jahresorden
zum Ausdruck gebracht.
Im Sommer dieses Jahres trifft die GroKaGe
ein harter Schlag. Der
Präsident Dieter Jockers erkrankt
schwer und muß sich einer Operation
unterziehen. Vize Hans Reuter führt
in dieser Zeit die Amtsgeschäfte.
Die Gesellschaft ist anfangs wie gelähmt.
Nur mühsam erholt man sich von
dem Schock. Doch es muß schließlich
weitergehen.
Vize Hans Reuter und Sitzungspräsident
Manfred Schuhr übernehmen die
Regie in der Kampagne 1989/90 zum „Letzten
Grand Spectacle“ in der
Fruchthalle, da für das darauffolgende
Jahr der Umzug in die neuerbaute
BadnerHalle vorgesehen ist und die Fruchthalle
zur Kunstgalerie umgebaut
werden soll.
1990 wird dem Führungsduo Jockers/Reuter
noch eine seltene Ehre zuteil.
Sie erhalten den BDK-Verdienst-Orden in
Gold!
Im selben Jahr feiert die GroKaGe mit
ihrem wieder halbwegs erholten
Präsidenten dessen 60. Wiegenfest.
Die Presse schreibt: „Karneval im
Sommer! Der Stotterkarle wird 60!“
In der Generalversammlung desselben Jahres
wird aufgrund der
neuformulierten Gemeinnützigkeitsordnung
von Rechtsanwalt und Elferrat
Bernd Nieswandt die Satzung neu gefaßt.
Dieter Jockers ist wieder an
Bord.
Doch die Kampagne 90/91 mußte leider
ausfallen. Der Golfkrieg hat den
Narren einen Strich durch die Rechnung
gemacht. Zwar waren nicht alle
Mitglieder des Bund Deutscher Karneval
der Aufforderung zur Aussetzung
gefolgt, doch die GroKaGe ließ das
Narrenzepter in diesem Jahr ruhen!
1992 war das Premierenjahr in der BadnerHalle.
Alle waren aufgeregt.
Keiner kannte die Umstände und Probleme
so richtig, obwohl man sich
schon Monate zuvor via Besichtigungen
und Vorgespräche über die
technischen und logistischen Möglichkeiten
informiert hatte.
Nun endlich konnte sich das bereits im
vergangenen Jahr gekürte aber
ausgebremste Prinzenpaar seiner Untergebenen
bemächtigen. Mit „Pariser
Luft in der BadnerHalle“ begann ein neuer
Abschnitt in der
Vereinsgeschichte. Nach den ehemals genutzten
Prunk- und Spiegelsälen
des Löwen und der Fruchthalle winkte
nun die moderne Technik... und
unendlich lange Wege.
Einen ebenfalls neuen Weg mußte
der Fastnachtsumzug in diesem Jahr
nehmen. Aufgrund des Umbaus der Kaiserstraße
zur Fußgängerzone wurde der
Zug durch die beängstigend enge Herrenstraße
geleitet. Doch dank
sorgfältiger Vorbereitung ging alles
gut. Es geht eben nichts über ein
eingespieltes Team. Und dieses konnte
seine Fähigkeiten auch noch beim
Verbandstreffen Südwestdeutscher
Fanfarenzüge zeigen. Denn auch dieser
Zug wurde vom Umzugskomitée organisiert.
Am 30. Juni 1992 stellte sich Präsident
Dieter Jockers aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr
zur Wahl und schlug als seinen
Nachfolger den bisherigen Sitzungspräsidenten
Manfred Schuhr vor. Mit
Dieter Jockers legen auch die anderen
Vorstandsmitglieder ihre Ämter
nach teilweise jahrzehntelanger verdienstvoller
Tätigkeit nieder, so
Hans Reuter, Vize; Lothar Lamprecht, Schatzmeister;
Norbert Mezger,
Schriftführer.
Die neue Führungscrew hieß ab
1992:
Manfred Schuhr, Präsident
Bernd Matthes, Vizepräsident
Klaus Sutter, Schatzmeister
Karin Mezger, Schriftführerin
Am 20. September 1992 stirbt Dieter Jockers.
Kurz vor seinem Tod hat die
GroKaGe „ihren Dieter“ zum Ehrenpräsidenten
ernannt! Die nun entstandene
Lücke war zwar formell mit der Neuwahl
des Präsidium gefüllt, jedoch
hatte die Gesellschaft an diesem herben
Verlust schwer zu kämpfen.
Doch wie es nunmal so ist – das Leben
muß weitergehen. Und die Große
Karnevals-Gesellschaft mußte und
wollte dieser Tatsache ins Auge sehen.
So ging man daran, die Tradition der Rastatter
Fastnacht fortzuführen.
Und es gelang! Mit den Sitzungen im Jahre
1993 „Die GroKaGe im Olymp“
setzte die Gesellschaft mal wieder Maßstäbe.
Auch die unter dem
Präsidenten Manfred Schuhr als Richter
des Rastatter Narrengerichts
durchgeführte Rathausstürmung
mit Aburteilung des Oberbürgermeisters
Klaus-E. Walker wurde ein voller Erfolg.
So hatte man es also geschafft, die Hürde
zu nehmen und war wieder voll
im Fluß. „Die Ideen gehen einem
Karnevalisten nie aus“, sagt man. „Es
gibt immer genug, denen man den Spiegel
vorhalten muß“, so dachte schon
Till Eulendspiegel.
Und eine wahrhaft zündende Idee kam
der GroKaGe 1994, als sie den
Vorschlag des mittlerweile zum Elferrat
berufenen Uwe Kobus annahm, die
„Staffelstürzer“ auf das Publikum
loszulassen. Mit ihrer herrlich blöden
Art, kombiniert mit eingängigen Melodien
und herrlich-frechen Versen
kommen die drei (Uwe Kobus, Bernd Matthes,
Berthold Hasenfraz) locker
unter die Top-Ten der närrischen
Neuheiten. Keine Neuheit, sondern eher
altbekannt ist jener, der im Jahr 1994
sein 40jähriges Bühnenjubiläum
feiert: Hans Reuter, ehemaliger Vize-Präsident
und „spiritus rector“ der
Gesellschaft. Nach ihm werden noch mehrere
diese Schallmauer
durchbrechen. Doch er war der erste.
Im selben Jahr bekommt die GroKaGe endlich
wieder eine feste Heimburg.
Die Kaserne Carnot wird zum Vereinsheim
der Rastatter Vereine umgebaut.
Auch wechselt der Amtsinhaber des Vizepräsidenten:
Wolfgang Falk folgt
auf Bernd Matthes.
Mit dieser Vorstandschaft geht die GroKaGe
auch ins Jubeljahr. 100 Jahre
Große Karnevalsgesellschaft Rastatt.
Nicht 100 Jahre alt, sondern 100
Jahre jung – und noch kein bißchen
leise. In diesem Sinn und unter der
altbekannten Devise „Niemand zu leid,
allen zur Freud“ wollen wir mit
einem dreifach donnernden „HELAU“ auf
die kommenden 100 Jahre Fastnacht
in Rastatt anstoßen!