ChronikWappen der GroKaGe

100 Jahre GroKaGe Rastatt

Liebe Freunde der Fastnacht im allgemeinen und der

Großen Karnevalsgesellschaft Rastatt im besonderen,

fühlen Sie sich zurückversetzt in die Zeit um das
Jahr 1800. Der Auftakt der Französischen Revolution
- der Sturm auf die Bastille - ist gerade mal 11 Jahre her. In knapp vier Jahren
wird sich Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen krönen. In vierzehn
Jahren (1814) wird Europa auf dem Wiener Kongreß neu geordnet werden.

Zur gleichen Zeit reist Goethe nach Italien, der Klassizismus blüht, geht über
in die Biedermeierzeit, welcher sich die Romantik anschließen wird.
Eine Zeit also, die voller Irrungen und Wirrungen ist. Jeder ist darauf bedacht, in
ihrem Strudel nicht unterzugehen. Und doch haben sich immer wieder Männer
zusammengefunden, die etwas anderes, etwas Besonderes tun wollten. Sie wollten
nicht nur griesgrämig hinter ihren Fenstern sitzen und auf die ach so schlimme
Zeit schimpfen. Sie waren fröhliche Leute, und sie wollten ihre Frölichkeit
mit möglichst vielen anderen teilen.
So kann man die Jahre 1830 bis 1840 guten Gewissens als Gründerjahre der
Fastnachtsumzüge, Maskenredouten und heute noch existenter Vereine ansehen.
Auch in der Murgmetropole waren in jenen Tagen die ersten Vorboten der
Narretei zu erkennen. Im "Rastatter Wochenblatt" vom 5. Februar 1831 war folgendes
zu lesen:
 

Bey der Unterzeichneten sind auf die kommenden Fastnacht - Bälle folgende Masken
um billige Preise zu haben. Die vorzüglichsten Charakter - Masken, alle erdenklichen
Nationaltrachten für Herren und Damen, Dominos und Kinder-Masken, welche fast
durchgängig neu und sehr reinlich sind. - Ferner sind alle Gattungen geringere
Masken zu haben, welche zwar auch noch schön zu nennen, jedoch von den
Ball - Masken zu unterscheiden sind.
Nanette Birnstill, Friseurin
 

Tags zuvor erschien durch das Großherzogliche Oberamt sogar eine Warnung, die
alle Trunken- und Raufbolde zur Einsicht bekehren sollte, aufgrund der Tatsache,
"...daß nämlich jeder, der bey einem Streite den anderen auch nur mit der Hand
auf den Kopf schlägt, aufgeschrieben und anher angezeigt werden müsse".
Nicht minder ernst gemeint sind die am 21. Februar 1846 abgedruckten
"Karnevalsregeln für Mädchen!":
"Die Mädchen sollen seyn wie die Lämmer, so rein und zart - und nicht wie die
Blumen: Sie müssen die Schmetterlinge entfernt halten. Die Mädchen sollen seyn
wie die Oplaten und Geheimnisse bewahren und wieder nicht wie die Oplaten:
nicht in der Leute Möuler kommen. Die Mädchen sollen seyn wie Aelosharfen, so
süß und lieblich - und wiederum nicht wie die Aelosharfen, sich so viel Wind
vormachen lassen. Die Mädchen sollen seyn wie die Sonne, so einzig - und wiederum
nicht wie die Sonne: sie sollen Morgends und Abends nicht erröten. - Die
Mädchen sollen seyn wie der Mond, der Liebe zugethan - und widerum nicht
wie der Mond der fast alle Tage von der rechten Bahn abweicht. - Die Mädchen
sollen seyn wie die Sterne, so erhaben und doch so mild - und widerum nicht wie
die Sterne, sie sollen nicht allen Leuten zublinken. - Die Mädchen sollen seyn wie
die Kirche, so ehrgebietend - und widerum nicht wie die Kirche: Sie sollen nicht
mit allen Glocken zur Anbetung einladen. - Die Mädchen sollen seyn wie die
Trauben, so voll sanften Saftes - und widerum nicht wie die Trauben, an denen
lustige Vögel naschen."

Wie wir also sehen können, war auch in Rastatt schon in den Vierzigerjahren des
19. Jahrhunderts ordentlich was los.
Die Veranstaltungen wurden bis etwa in das Jahr 1890, wie den
Zeitungsannoncen zu entnehmen ist, fast ausschließlich von den Rastatter Vereinen
durchgeführt, z.B.: den Bürgerverein Germania, Eintracht und Freundschaft, dem
Pompiers Corps, den Gesangsvereinen und sogar den Metzger - Gehilfenverein.
Die erste urkundlich erwähnte närrische Gesellschaft war die im Jahre 1862 gegründete
"Narhalla". Honorige Männer der Stadt waren es, die Rastatt das erstemal
als Verein organisiert und unter den Klängen des Büttenmarsches das Heil in
der Narretei suchen ließen. Die vom Chronisten überlieferten Namen der ersten
"Rastatter Narren" sind uns heute zwar kaum noch geläufig, in ihrer Zeit hatten
sie aber einen guten Klang:

Gastwirt Görger, Fotograf Amann, Kreuzwirt Föckler, Posthalter Hatz, Bierbrauer Prinz,
Zimmermeister Jäger, Bäckermeister Kaupp, Kaufmann Martin
Glockengießer Kleinlein, Bierbrauer Engelsberger, Assistent Weigel.

Doch diesem Verein war kein langes Leben gegönnt. Die Kriegswirren von
1870 / 71 setzten dem närrischen Treiben ein herbes Ende.
Erst 1894 erwachte Rastatt wieder aus seinem Dornröschenschlaf und wurde von
einer neuen Generation zurück ins Rampenlicht der Narretei gerückt.
Am 1. Dezember 1894 konnte man im "Rastatter Wochenblatt" Nr. 142 folgendes
lesen:

Die in unserer Stadt früher so beliebt gewessenen Masken - Redouten fanden mit einer
in den 70er Jahren zuletzt stattgehabten ihren Abschluß. Seit dieser Zeit ist
hier nur wenig oder gar nicht dem Prinzen Carneval gehuldigt worden. Nunmehr
aber wurden von den drei Vereinen "Kaufmännischer Verein", "Humor" und
"Radfahrer - Club" beschlossen, einen carnevalistischen Verein zu gründen..."

Nach der Aufzählung der beabsichtigten Aktivitäten folgten noch die besten
Wünsche:

 "... möge der junge Carneval - Verein blühen, wachsen und gedeihen!
Vivat Jocus"

Im RaWobl. Nr. 148 vom 15.2.1894 erschien dann die erste Großanzeige:

Erste Anzeige im RaWobl Nr. 148 vom 15.2.1894

Den Vorsitz diese neugegründeten "Carnevals - Verein" übernahm der Hoflieferant
Adolf Niederbühl aus dem Dörfel.
 
Hier seien alle Ur - GroKaGeler auf einen Blick erwähnt:
Adolf Niederbühl 1. Vorsitzender
Clemens Hofmann 2. Vorsitzender
Eduard Rosenberger 1. Schriftführer
Herrmann Bader 2. Schriftführer
Wilhelm Graf 1. Kassier
Paul Jaus 2. Kassier
Fritz Schnurr Zeugwart
Franz Egem Ceremonienmeister
Georg Nöth Ceremonienmeister
Albert Hatz Beisitzer
Wilhelm Zopff Beisitzer

Sodann ging man schleunigst an die Vorbereitung der Faschingskampage. Neben
mehreren kleineren Veranstaltungen war der Höhepunkt im Jahr 1895 der
große Maskenumzug mit 72 Gruppen.

Einladung zum Grossen Maskenumzug
Plakatt zum Faschingsumzug 1895

Programmheft zum Maskenumzug
Das Programmheft zum Umzug 1895

Vereinigte Wirte Rastatts
Die "Vereinigten Wirthe Rastatt's" bei der Zugaufstellung vor der Lützower - Kaserne
beim "Großen Maskenumzug" 1895
 

Kaufmännischer Verein Rastatt
Der "Kaufmännische Verein Rastatt" bei derselben Großveranstaltung
- Die Weltkugel im Rücken, die Zukunft scharf im Blick!

Von nun an bis ins Jahr 1897 veranstaltete der Carneval - Verein Rastatt unter
ebendiesem Namen und in nämlicher Besetzung seine Veranstaltungen. Es gab da
einfache "Karnevalistische Sitzungen", "Herren- und Damensitzungen", "Katersitzungen",
Maskenredouten und vieles mehr.
Am 3. März des Jahres 1897 trafen sich die Mannen um Adolf Niederbühl zur
Saisonabschluß - Sitzung im Gasthof "Zum Kreuz". Dort wurde auf Vorschlag des
Präsidenten Niederbühlbeschlossen:"... beim künftigen Inslebentreten des Vereins
demselben den Namen "Große Karnevalsgesellschaft" beizulegen... " um Verwechslungen,
wie anscheinend vorgekommen, zu vermeiden.
Gesagt, getan!
Und genau hier ist die Geburtsstunde der Großen Karnevals - Gesellschaft Rastatt!
In der Kampagne 1897 / 98 trat die Gesellschaft das erstemal unter ihrem heute
noch bekannten Namen in Erscheinung. Vor genau 100 Jahren!
Man gab sich eben jenen neuen Namen und trieb munter weiter Schabernack.
Und wie man aus dem Begriff "Inslebentreten" sehen kann, war es in der damaligen
Zeit nicht üblich, daß ein karnevalistischer Verein das ganze Jahr über
bestand hatte. Man traf sich im Oktober, um die kommende närrische Zeit zusammen
zu feiern, und im März ging ein jeder seiner eigenen Wege, bis die Fastnacht
aufs neue vor der Tür stand.

Elferrat 1898
Elferrat 1898

Programmheft von 1896
Programmheft von 1896

Ein Mann sollte hier unbedingt noch Erwähnung finden: Josef Mayer –
genannt „Mayer-Seppl“! Er war der große Redenschreiber und Büttenredner
dieser Zeit. Ein von ihm überliefertes Werk hat er sogar dem Präsidenten
Adolf Niederbühl persönlich gewidmet.

Hier ein kurzer Auszug aus „Mayer-Seppels Rastatter allerlei“:

Sensationelle Enthüllungen von Rastatt für das zwanzigste Jahrhundert:

Im zwanzigsten Jahrhundert,
Da werdet Ihr verwundert
Rastatts erstehen sehen:
Zur Grosstadt aufgeblühet,
das Ländliche, das fliehet,
Und macht dem Aufschwung Platz.
Wo früher Festungswälle
Und wo Husarenställe
Die Stadt mit Duft versah’n
Da stehen heut’ Paläste
Für fremde Fürstengäste,
Weil Rastatt Residenz.

Und aus dem Brunnenhause
– der Stadttaglöhner Klause –
Die Sternenwart’ erstand.
Das „Grün“ ist auch verschwunden,
wo früher angebunden
Die Ochsen und die Küh’ –
Dort ist heut die Centrale
Für die „Papiergen’rale.

usw., usf.

 

Im Jahre 1900 sollte der nächste und zunächst auch letzte Höhepunkt der
GroKaGe stattfinden.
Am 23. Januar 1899 trafen sich Vertreter aller Rastatter Vereine, um zur
Jahrhundertwende den umwerfenden Erfolg des Maskenzuges von 1895 zu
wiederholen.
Wie wir im nachhinein feststellen dürfen, ist dieses Unternehmen
außerordentlich geglückt.

Doch dann war plötzlich Schluß. Jeder kochte wieder sein eigenes
Süppchen. Man zog sich in seinen ursprünglichen Verein zurück und
feierte dort. Die Gründe sind leider nicht überliefert.
Das einzige, was mit Sicherheit belegt ist, daß es ab 1908 wieder
vereinsorganisierte Fastnacht in Rastatt gab. Eine Gruppe aus der
Turnerschaft von 1876 scharte sich um den späteren Präsidenten der
GroKaGe, Karl Feger, und die närrische Tradition lebte wieder auf.
Darauf weisen zwei Programmhefte aus den Jahren 1908 und 1909 hin. In
dem einen heißt es noch „Karneval-Gesellschaft der Turnerschaft von
1876“, dem anderen schon „Grosse Karneval-Gesellschaft Rastatt von
1908“.
Erst in jüngster Vergangenheit sind noch sicherere Beweise für diese
Vermutung aufgetaucht. Einträge aus einem Protokollbuch aus dem Jahre
1908 lassen diese Erklärung als die einzig logische zu. Dort wird unter
dem Datum von 10. März 08 erklärt, daß die Turnerschaft Rastatt von 1876
die karnevalistische Tradition fortsetzt, und man sich ab dem Jahr 1909
vereinstechnisch vom Turnverein loslösen möchte. Am 19. Oktober 08 wird
die Namensgebung von „Carnevalsverein Rastatt“ in „Grosse
Carnevals-Gesellschaft Rastatt“ beschlossen.
Das gesamte Anfangsinventar sowie die meisten der Aktiven vor und hinter
der Bühne kamen nachgewiesenermaßen aus den Reihen der Turnerschaft.

Von da an ging es steil bergauf. Der „Kleine Rat“ setzte sich nach der
Wiederauferstehung wie folgt zusammen:
Karl Feger, Präsident
Dr. Hermsdorff
Karl Mann
August Degler
Wilhelm Oberst
Hans Fellner
Karl Emmert
Alfred Hausensteil
A. Misselwitz
Carl Frick
Gustav Schweitzer

Die oben erwähnten Herren waren alles andere als Mauerblümchen in
unserer Stadt. Wie Sie, liebe Leser, auf unseren verschiedenen
Originalaufnahmen aus der damaligen Zeit sehen können, waren die Herren
Schweitzer, Feger und Co. zu fast jedem Spaß bereit.

Wiederum wurden große Feste, Redouten, Sitzungen und Maskenbälle
ausgerichtet. Die „Grosse Karnevals-Gesellschaft“ wurde zu einem
kulturellen Mittelpunkt Rastatts. Die meisten der Veranstaltungen wurden
– des Platzes wegen – in den sogenannten „Prunk- und Spiegelsälen des
Gasthauses „Zum Löwen“ abgehalten.
Umrahmt von so eleganten Gruppen, wie dem „Männer Quartett Rastatt“,
spielte sich die Fastnacht in den damaligen Jahren in einem schon feudal
zu nennenden Rahmen ab.
Doch auch diese Periode „närrischen Schaffens“ wurde abrupt und
diesesmal sogar blutrünstig beendet. Im Jahre 1914 setzten das Attentat
auf den österreichischen Thronfolger in Sarajevo und der daraus
entsponnene 1. Weltkrieg dem Narrentum ein kaltes Ende!
Vier Jahre tobten Kanonen und Bajonette durch Europa. 1918 lag
Deutschland in Trümmern. Doch der Prinz Karneval war glücklicherweise
nicht gefallen. Ab 1920 lebte er wieder auf. Nach sechs Jahren der
Enthaltsamkeit versuchte die „Grosse Karnevals-Gesellschaft“ wieder den
Rastatter Bürgern das Lachen zurückzugeben und Vergangenes vergessen zu
lassen.
Die Männer, die diesen abermaligen Neuanfang machten, waren:

Karl Mann, Präsident
August Matheis
Heinrich Gertler
Karl Focke
Wilhelm Oberst
Bernhard Biesdorf
Albert Rosenbaum
Wilhelm Rapp
Georg Kirell
Architekt Dellert
Hans Fellner

In der Doppeljahrung 1923/24 konnte man sich dann aber von Staats wegen
aufgrund der Wirtschaftslage nicht mehr mit der Narretei einverstanden
erklären und verbot diese kurzerhand.
Da die Männer des Humors aber gerade richtig in Schwung gekommen waren,
so überliefert uns ein Chronist, flüchteten sie sich bis zur
Relegalisierung im Jahr 1925 in die Gesellschaft „Ulk“.
In eben jenem Jahr 1925 wurde die GroKaGe ihrem Ruf als
Fastnachtsmissionar das erste Mal gerecht. Beim Neujahrsball 1925/26 in
der Carl-Franz-Halle war auch der Gaggenauer Verleger Hans Eustachi
zugegen. Ihm hat diese Form von Humor so gut gefallen, daß er nach
mehreren Gesprächen mit dem GroKaGe-Präsidenten Mann im Spätjahr 1926
die GroKaGe Gaggenau gründet. Die erste Sitzung fand im Jahr 1927 statt,
der gesamte „Kleine Rat“ der Rastatter Gesellschaft nahm daran teil und
schenkte dem Gaggenauer Rat als „Geburtstagsgeschenk“ ihre Talare.
Von da an bis zur wohl dunkelsten Ecke deutscher Geschichte – dem 2.
Weltkrieg – wogte das Narrenschiff mit Prinz Jokus auf immer höher
brandenden Wellen nachweislich mindestens bis ins Jahr 1936 – mündlichen
Überlieferungen zufolge sogar bis 1940! Doch dann kam das Aus!
 

II. Weltkrieg!!!
 

Wir schreiben das Jahr 1945.
Zwölf Jahre brauner Herrschaft und sechs Jahre blutreicher Krieg sind
endlich vorbei. Die Rastatter Bevölkerung untersteht der französischen
Besatzungsmacht, die jegliche Form von Vereinstätigkeit kontrolliert und
gegebenenfalls verbietet.
Den Rastattern und Rastatterinnen war es zu dieser Zeit auch nicht so
sehr um kulturelle Veranstaltungen oder Belustigungen. Man war damit
beschäftigt, wieder in den friedlichen Alltag zurückzukehren und einfach
zu überleben. Nahrungsmittel waren knapp; die wenigsten wußten, wo sie
das Brot für den kommenden Tag herbekommen sollten.
In einer so unsicheren Zeit ist es kein Wunder, daß eine der schönsten
Nebensachen der Welt, der Karneval, die Fastnacht, weitestgehend in
Vergessenheit geriet. Im Laufe der braunen Diktatur war die Gro-Ka-Ge
verboten worden. Und jetzt hatte man andere Sorgen, als mit Inbrunst und
Begeisterung „HELAU“ zu rufen.

Im Jahr 1947 war es dann endlich soweit. Die Rastatter Fastnacht erlebte
ihre Wiedergeburt. Eine kleine Narrenschar wollte das Brauchtum wieder
aufleben lassen und die Rastatter aus ihrer noch kriegsbedingten
Lethargie reißen und zum Lachen bringen.
Am Fastnachtssonntag zwischen 14 und 18 Uhr (eine andere Zeit war von
der Besatzungsmacht nicht genehmigt worden) fand in der Fruchthalle ein
stimmungsvoller Nachmittag statt. So mancher Besucher hatte seine letzte
Flasche Wein oder Most aus dem Kellerversteck geholt (ganz ohne wollte
man auch damals nicht feiern) und ging guter Dinge zu dieser ersten
Nachkriegsfastnachstveranstaltung.
Der Initiator dieser Sitzung Hermann (Lollo) Senftle hatte es aufgrund
seiner guten Beziehungen zu der französischen Militärregierung
geschafft, für eine solche Veranstaltung die Genehmigung zu erhalten und
so die Fastnacht in Rastatt wiederzuerwecken.
Ein in der Not geborener Elferrat unter Vorsitz des letzten vor
Kriegsausbruch amtierenden und somit wiederernannten Präsidenten Franz
Hörner wurde von der mit Entbehrungen geschlagenen Rastatter Bevölkerung
begeistert und unter Jubelstürmen begrüßt.
Verschiedene Abteilungen des Rastatter Turnvereins, das Rastatter
Männerquartett und Anton Kunz, seines Zeichens Elferrat und Komiker,
verstanden es, die Menschen in Fastnachtsstimmung zu bringen.
Der Chronist hielt damals enthusiastisch fest:
„Dieser Fastnachtssonntagnachmittag wird noch lange in Erinnerung
bleiben und Ansporn sein zum Weitermachen.“
Die Gro-Ka-Ge war auferstanden!
Unter Mühen und Qualen schleppte man sich dahin, immer auf der Suche
nach Anschluß an die glorreichen und glanzvollen Vorkriegstage, als die
Fastnachtsbälle der Gro-Ka-Ge zu den gesellschaftlichen Glanzpunkten
Rastatts gehörten. Es wollte noch nicht wieder so rund laufen. Doch
Franz Hörner gab nicht auf und versammelte gestandene Rastatter Männer
um sich, damit die Tradition, die gerademal gerettet werden konnte,
nicht doch noch untergehe.

In der Vorstandschaft der GroKaGe 1947 fanden sich:
Franz Hörner, Präsident und Hofmarschall
Hermann Merklinger, Vizemarschall
Ernst-Otto Sprauer, Protokollführer
Fritz Salzgeber, Finanzminister
Karl Kirchberger, Arbeitsminister
Anton Sax, Innere Angelegenheiten
Herrmann Streckel, Propagandaminister
Franz Klumpp, Außenminister
Josef Dietsche, Versorgungsminister
Konrad Schötz, Kulturminister
Fritz Heim, Wirschaftsminister

Dann war es endlich soweit! Am 11.11.1949 fand die Wahlversammlung im
„Braustübl“ statt. Auf dem Programm standen die Wahl des
Narrenpräsidenten, Franz Hörner, und die Taufe des Karnevalsprinzen,
Prinz Severin IX., auch „Lebkuchenprinz“ genannt. Zu diesem Anlaß
erwähnt der Vereinschronist zum ersten Mal den Namen eines Auftretenden,
der Jahre später die Geschicke der Gesellschaft als Präsident lenken und
den Verein wie kaum ein anderer prägen sollte: Dieter Jockers.
Doch weiter in der Geschichte der wiedererstarkten Gro-Ka-Ge. Es wurden
etliche Veranstaltungen durchgeführt: Damen- und Herrensitzungen,
Maskenbälle, Redouten. All das, was damals zum Programm eines
kulturellen Vereins gehörte lief in den Rastatter Fastnachtshochburgen
„Goldener Wagen“, „Krone“, „Goldenes Kreuz“ und „Löwen“ ab.
Auch wurden in diesem Jahr zum ersten Mal eine männliche Tanzgarde sowie
ein Vorläufer des heutigen Großen Rates aus der Taufe gehoben.
Mit soviel Erfolg und Mut zu Neuem gestärkt, fand die Gro-Ka-Ge
allmählich wieder zu ihrer alten Form zurück. Trotz der Jahre des
Aufbaus und der Kriegsnachwehen war man in den Fünziger Jahren ein ganz
und gar aufstrebender Verein, der sich seinen Platz auf dem Parkett der
städtischen Kulturebene wieder zurückeroberte.
Doch dies sagt sich heute so leicht. Die Männer der ersten Stunde nach
dem Zusammenbruch hatte mit völlig anderen Schwierigkeiten zu kämpfen,
als wir es in unseren Tagen müssen.
Abgesehen von der Tatsache, daß die Gro-Ka-Ge schon wieder an ihren
alten Maßstäben gemessen wurde, was Leistung und Niveau anging, standen
in den Wiederanfängen Widrigkeiten technischer sowie finanzieller Natur
dem Humor und der Fröhlichkeit im Weg.
Aber all diesen Haken und Ösen zum Trotz überstand die Gesellschaft
diese Anlaufschwierigkeiten recht gut und zeigte den Rastattern auch bei
der Eröffnung der darauffolgenden Kampagne 50/51, am Elften im Elften
1950, was es heißt, eine wahrhaft prunkvolle Prinzengeburt zu
zelebrieren.
Der Presse in diesen Tagen können wir folgenden Wortlaut entnehmen:
„Selbst alte Narren erinnern sich kaum mehr daran, wann zum letzten Mal
die Geburt eines Rastatter Karnevalsprinzen ein solch pompöses Ereignis
war. Bis auf den letzten Platz war der Museumssaal gefüllt, und
Ungezählte mußten nach einem Blick in den Saal, in dem für Rastatter
Verhältnisse ungewöhnlich früh Hochstimmung herrschte, den Heimweg
antreten.
Die Gro-Ka-Ge hat den Fasching eröffnet. Rastatts Gro-Ka-Ge hat
gehalten, was sie versprochen hatte. Getreu der alten Tradition wurde
die Faschingszeit mit Stimmung und Humor eröffnet.“

Das „Zeremoniell der prinzlichen Erdenkunft des Theophil I.“, wie im
Programm nachzulesen ist, wurden von Tänzerinnen des Turnvereins unter
Leitung von Änne Köhler umrahmt, und das von Ernst-Otto Sprauer – der
später noch von sich zu hören machen wird – gedichtete Lied „Ja, so ein
Rastatter Mädel“ hatte an diesem Abend Premiere. Es sollte nicht das
letzte Lied bleiben, das die Gro-Ka-Ge auf ihre Heimatstadt komponieren
und texten sollte.

Der Elferrat in der Kampagne 1950/51 bestand aus folgenden Herren:
Franz Hörner, Präsident
Herrmann Merklinger, Vizepräsident
Fritz Salzgeber, Schatzmeister
E. O. Sprauer , Protokoller
Anton Sax
Konrad Schötz
Franz Klumpp
Hermann Streckel
Fritz Heim
Joseph Dietsche
Karl Kirchberger
Franz Fischer

Karl Focke war Ehrenpräsident und Karl Moser Ehrenrat.
 

Schon in diesen ersten Jahren des Wiederaufbaus wurden die Leitlinien
der Gesellschaft klar umrissen:

Allen zur Freud,
niemand zu Leid!

Munter und fröhlich zog man durch die Vielzahl der närrischen
Veranstaltungen, vergnügte sich und ließ es sich gutgehen. Die Zeiten
der Entbehrungen waren vorüber; man feierte, was das Zeug hielt.

Die Kampagne 1951/52 sowie das Jahr 1952 hatten in mehrfacher Hinsicht

historischen Wert für die Gesellschaft.
Zum einen feierte die Gro-Ka-Ge, bezugnehmend auf die erste närrische
Erwähnung in unserer Stadt im Jahre 1862, die bereits erwähnte Narhalla
zu Rastatt, ihr 90. Jubiläum. Zweitens fand in diesem Jahr der erste
Fastnachtsumzug nach dem Zweiten Weltkrieg statt, und drittens wurde man
in diesem Jahr offiziell in das Vereinsregister des Amtsgerichtes
Rastatt eingetragen.
Einem Jubiläum entsprechend wurden die Vorbereitungen auf die Sitzungen
und anderen Veranstaltungen mit vollem Einsatz aller vorwärtsgetrieben.
Da man nicht nur eine Jubiläumssitzung mit geschichtlichem Abriß der
Vereinschronik auf die Beine zu stellen hatte, sondern auch einen
Fasnachtsumzug sowie die endgültige vereinsrechtliche Legalisierung,
arbeiteten alle GroKaGeler mit Feuereifer.
Es wurde ein Erfolg, wenn auch mit einem etwas unorthodoxen Jubiläum,
aber damals war die Geschichtsschreibung noch nicht ganz soweit
fortgeschritten, als daß man unseren Altvorderen einen Vorwurf ob ihres
vorgezogenen runden Geburtstages machen dürfe.
Ein Unikum besonderer, wenn auch nicht erfreulicher, Güte trug sich in
diesem Jahr ebenfalls zu. Die Gro-Ka-Ge war aus jeweils gesundheitlichen
Gründen gezwungen innerhalb eines Jahres drei verschiedenen Präsidenten
das Ruder des Narrenschiffes in die Hand zu geben. Daß dies die Arbeit
in einem so ereignisreichen Jahr nicht erleichtert, dürfte jedem klar
sein. Doch auch diesen Sturm haben Rastatts älteste Narren überstanden.
Nach Franz Hörner, Karl Focke und Carl-August Weber, die alle auf ihre
Weise großes für den Verein geleistet hatten, übernahm in der Kampagne
1953/54 Ernst-Otto Sprauer das Präsidentenamt. Er ist der große
Initiator auf dem Gebiet des Karneval. Als Protokoller hat er sich seine
ersten närrischen Sporen verdient und soll in den Jahren seiner
Regentschaft den Verein in ungeahnte Höhen führen. Sein Hauptaugenmerk
richtet Ernst-Otto Sprauer auf den Nachwuchs, denn diesem, so erkannte
er schon damals, gehöre schließlich die Zukunft!
Eine weitere erwähnenswerte Figur der Rastatter Fastnacht in diesen
Jahren war Paul Reuter. Als treffsicherer Glossierer Rastatter
Begebenheiten, als Leute-Sepp, Büttel, Vater und Sohn sowie als Diogenes
begeisterte er das GroKaGe-Publikum.
Leider sollte die Präsidentschaft von Ernst-Otto Sprauer nicht sehr
lange dauern. Nachdem er den Verein in zweijähriger und mühseliger
Arbeit in die Höhe gebracht hatte, raffte ihn eine heimtückische
Krankheit dahin. Die GroKaGe verlor einen großen Denker und Lenker!
In Ernst-Otto Sprauers Amtszeit fielen so herausragende Dinge wie die
fastnachtlichen Galaabende mit Heinz Schenk, die Förderung junger
Talente, die sich bei genauem Hinsehen in über vierzig Jahren zu
unersetzlichen Stützen der Gesellschaft entwickelt haben (Hans Reuter,
Kurt Kobus, Siegfried Karcher, um nur drei zu nennen), Eintritt in den
„Bund Deutscher Karneval“ und in die „Vereinigung Badisch-Pfälzischer
Karnevalsvereine“.
Aufgrund der schweren Krankheit Ernst-Otto Sprauers wurde der Große Rat
Julius Schwab von der Vorstandschaft zum Geschäftsführer ernannt. Diese
Position hatte er bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1963 inne. Julius
Schwab widmete sich mit aller Kraft dem Aufbau unsere Gesellschaft
widmete, und er pflegte wie kaum ein anderer die guten Kontakte zu
befreundeten Vereinen. Auch hat er zusammen mit Herrmann Schindhelm dem
von Dr. Großmann erdachten Ulk-Paar „Hoiner und Boiner“ aus dem
„Badischen Tagblatt“ Leben auf der Bühne eingehaucht.
Sprauers Nachfolger im Präsidentenamt wurde Hans Winter!
In das Jahr 1957 fällt die Gründung der Schloßwache und der
Prinzengarde. Die Schloßwache hatte ihren ersten offiziellen Auftritt
bei der Masken-Redoute im Löwensaal am 23. Februar 1957 als Begleitgarde
des Prinzen Siegfried I. (Siegfried Karcher). Die Prinzengarde wird das
„Geschenk der Stadt Rastatt zum Jubiläum“ (O-Ton OB Kunze). Gemeint
waren wohl die Kostüme, nicht die Damen...
Am 3. November wird die Standarde der Schloßwache feierlich in der
Herz-Jesu-Kirche im Dörfel geweiht! Standardenführer war damals der
heutige Senator Siegfried Karcher.

Gründungsmitglieder der Prinzengarde im Jahre 1957 waren:
Gisela Sauerbrunn
Uta Unshelm
Karin Wilk
Käthe Stang
Inge Sax
Hildegard Messmann
Heide Lippik
Ursula Ludwig
Hannelore Schild
Ursula Schneider
Leitung: Änne Köhler

Gründungsmitglieder der Schloßwache:
Richard Riemer, Kommandeur
Werner Nagel, 1. Offizier
Siegfried Karcher
Alfred Warth
Hans Burckhard
Hans Kronenthaler
Günter Borchard
Rolf Greiser
Heinz Heid
Günter Lehmann
Inge Riemer, Tanzmariechen

Die meisten der ersten „GroKaGe-Landser“ waren von der Freiwilligen
Feuerwehr zur Gesellschaft gestoßen.

Das Jahr 1959 bietet dem Chronisten so manches Außergewöhnliche zu
berichten. So konnte bei der Jahreshauptversammlung der GroKaGe im April
nach dem Rücktritt von Hans Winter kein neuer Präsident gefunden werden.
Julius Schwab übernimmt kommisarisch als Vize die Leitung des Vereins.
Im Juli des selben Jahres erhält Karl Kirchberger den „Goldenen Löwen“
mit der eindrucksvollen fortlaufenden Nummer 2! Die Nummer 1 erhielt der
Ehrenpräsident der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine,
Wilhelm Zickgraf.
Im Oktober endlich schaffte es der Verein, sich aus der Bredouille der
Präsidentenlosigkeit zu retten. In einer außerordentlichen
Mitgliederversammlung wird Alfred Fütterer zum neuen Präsidenten
gewählt. Am 11.11.59 werden Hans Reuter und Dieter Jockers feierlich in
den Elferrat aufgenommen! Damit hat die Gesellschaft den Grundstock für
einen dreißigjährigen Aufschwung der Rastatter Fastnacht gelegt.
Die Kampagne 1960/61 läßt uns zwei weitere Meilensteine in der
Geschichte der GroKaGe finden. Zum einen ließ Dieter Jockers zum ersten
Mal als „Stotterkarle“ des Publikums Zwerchfelle beben, und zum zweiten
ist es die Geburtsstunde des „Türkenlouisordens“, der für besondere
Verdienste an aktive Mitglieder verliehen werden sollte.
Aber auch Bedauerliches muß man aus diesem Jahr berichten. Hedwig
Heidmann, die jahrelang zusammen mit Kurt Kobus als „Anna und Andres“
die Lacher auf ihrer Seite hatte, stirbt.
In der darauffolgenden Session wird Erich Mayer als „Goldener Mann“ aus
der Taufe gehoben, eine Figur, mit Scharfsinn und Witz, die auch heute
noch von Mayers Nachfolgern (Herbert Philipp, Bernd Nieswandt) in Ehren
gehalten und von den Politkern als treffend gefürchtet wird.
Lilo Habicht schreibt zur Großen Prunk- und Fremdensitzung 1962 ihr
Rastatter Lied.

Präsident Alfred Fütterer tritt aus persönlichen Gründen zurück.
Kommissarischer Vereinsführer wird bis zu den Neuwahlen
Sitzungspräsident Dieter Jockers. Das Narrenschiff hat sich in ruhigere
See manövriert und ist auf bestem Weg, Talent um Talent aufzuspüren und
dem närrischen Reigen zuzuführen. So auch Kurt Kobus, der zwar schon in
etlichen Rollen auf der Bühne stand, aber 1963 seine Premiere als die
heute allseits bekannte „Doofe Nuß“ gab.
Anton Sax wird neuer Präsident der Gesellschaft.
Nun kommen wir zum Jahr 1965, das so manchen geschichtlichen Einschnitt
für uns bereithält. Zum ersten fand am 28. Februar der „1. Rastatter
Fastnachts-Kinderumzug“ statt. Aus diesem entwickelte sich im Lauf der
Jahre der „Rastatter Fastnachtsumzug“.

Umzugskomitée von 1965 – 1969:
Herbert Leibold, Vorsitzender
Hans Boos
Julius Schwab
Charly Dussel
Hans Burckhard
Günter Bender
Holger Haas
Hans Moser
Dieter Jockers
Gerd Rieger
Hans Peter Ruf
Herbert Thom

Auf den wollen wir bei passender Gelegenheit näher eingehen. Zum zweiten
wird mal wird die Präsidentschaft vakant. Anton Sax tritt zurück und
macht somit Platz für die „junge Garde“. Am 8. Mai 1965 wird Dieter
Jockers zum Präsidenten der Gesellschaft gewählt.
Langsam nimmt die Mannschaft – die in den kommenden rund 30 Jahren das
Narrenschiff der GroKaGe lenken und zu bis dahin ungeahnten Erfolgen
führen soll – Formen an.

Der Elferrat im Jahr 1965 setzt sich aus folgenden Personen zusammen:
Dieter Jockers, Präsident
Herbert Leibold, Vizepräsident
Hans Reuter, Protokoller
Erich Mayer, Schriftführer
Hans Moser, Kassier
Werner Kersten, Requisiten
Hans Boos
Siegfried Karcher
Kurt Kobus
Herbert Full
Hans Burckhard

Am 28. April 1966 hat sich das Duo komplettiert. Hans Reuter wird als
Nachfolger des in den Ehrensenat erhobenen Herbert Leibold zum
Vizepräsidenten gewählt. Nun ist das Führungsteam perfekt.
„Was der eine nicht weiß, fällt dem anderen bestimmt ein.“ Nach dieser
Prämisse haben die zwei – Dieter Jockers und Hans Reuter – die
Gesellschaft durch Höhen und Tiefen und von Erfolg zu Erfolg geführt.
Wer jedoch glaubt, daß sie und ihre Mitstreiter der närrischen Sache es
leicht gehabt hätten, der irrt. Es lag so mancher dicke Stein im Weg,
der noch zur Seite gerollt werden mußte. Denn die „Altvorderen“ waren –
wie bei jedem Generationswechsel, der mit einem Machtwechsel einhergeht
– nicht immer einer Meinung mit den „jungen Wilden“! Doch wie fast
überall setzte sich auch in der GroKaGe der frische Schwung durch und
katapultierte den Verein mit Macht nach vorn.
So rang man sich im Jahr 1967, in der Presse als Schritt in die Zukunft
gepriesen, zu einer zweiten Sitzung durch, was ein voller Erfolg wurde!
Dann kam das Jubiläumsjahr 1968. Man feierte, damals noch im Glauben,
1908 gegründet worden zu sein, das 60jährige. Hierzu ließen sich die
Verantwortlichen etwas ganz Besonderes einfallen.
Doch zuerst kam der Elfte im Elften des Jahres 1967. An diesem Tag war
der OB Prof. Dr. Richard Kunze exakt 11 Jahre, 11 Monate und 11 Tage im
Amt. Dies war für die GroKaGe Anlaß genug, eine „internationale
Pressekonferenz“ im Rastatter Rathaus einzuberufen. Unter Beteiligung
von so renomierten Blättern, wie „Neues Deutschland (Elfer Hans Boos),
„Le Figaro“ (Vize Hans Reuter), „Rheinauer Hinkender Bote“ (Kurt Kobus),
„Times“ (Siegfried Karcher), „Berliner Morgenpost“ (Werner Kersten),
usw. wurde die närrische Weltpolitik erörtert und auf Einladung des OB
in der „Blume“ bei einem Umtrunk fröhlich wieder zur Seite gelegt.
Ein weiters Novum erwartete die Sitzungsgäste im Jahr 1968. Zum ersten
Mal war die Sitzung zweigeteilt. Teil 1: Konservativer Karnevalsteil.
Teil 2: Show-Teil! Und dieser stand unter dem Motto: „Die GroKaGe im
Orient“! Die Idee zu dieser Zweiteilung kam von Philipp Lawo (Fa.
Heudorf), der auch den Dekorateur hierfür zur Verfügung stellte.
Aber auch in der nicht närrisch-verseuchten Zeit hat die GroKaGe immer
wieder Wege gefunden, ihre Mitglieder zusammenzuführen. So wurde zum
Beispiel im Juli desselben Jahres auf dem RSC-Gelände ein Sommerfest mit
Gulaschkanone, Handballspiel zwischen großem und Elferrat sowie einem
Preisskat durchgeführt.
Ganz nebenher stand die GroKaGe im Frühjahr 1968 noch schnell mal Pate,
als es darum ging, den Ettlinger Carnevals-Verein aus der Taufe zu
heben. Als Gründungsgeschenk brachten die GroKaGeler einfach ihr
närrisches Programm mit und gestalteten somit die halbe Gründungssitzung
in Ettlingen.
Ebenfalls im Jubeljahr mußte die GroKaGe Abschied von einer Rastatter
Fastnachsthochburg nehmen. Der „Golden Wagen“ (heute BNN, Kaiserstraße)
mußte dem Druck der Zeit weichen. Ein Stück Rastatter Tradition fiel der
Spitzhacke zum Opfer.
Nun ging es stetig bergauf. Sowohl bei den Sitzungen als auch beim Umzug
wurde wahrhaft professionell gearbeitet. Denn bei einer
Zugteilnehmerzahl von über 60 Gruppen und Wagen kann man die
Organisation nicht mehr dem Zufall überlassen. Dieter Jockers übernahm
auch den Vorsitz im Umzugskomitée, was im Laufe der Zeit zu der
Konstellation führte, die auch heuer im Jahr 1998 noch existent ist. Das
Umzugskomitée wurde ein Teil der GroKaGe.
In der Kampagne 1969/70 erlebte eine uralte GroKaGe-Tradition ihr
Comeback. Ein Herrenballett betrat die Bretter, die wohl die Welt
bedeuten. Unter der Leitung von Gisela Matthes „schwebten“ die Grazien
mit Schnurrbart über die Bühne. Ein Erfolgsgarant war wiedergeboren.
Denn auch heute noch ist das Männerballett einer der erklärten
Höhepunkte einer jeden Sitzung!
Eine Einrichtung, die jahrelang nicht mehr von der GroKaGe-Bühne
wegzudenken war, erblickte am 11.11.1971 das Licht der Welt: Das
„Katastrophen-Orchester“! Unter taktstock-schwingender Leitung von Hans
Reuter bliesen, strichen, klopften und zupften da Elferräte, Große Räte,
andere Aktive... und solche, die es noch werden wollten. Von „The Opèra“
bis zur englischen Nationalhymne „God save our gracious Queen“ (zu
badisch: „Gott, sauft unsere Königin!“) war den Katastrophen-Musikern
absolut nichts heilig!
In den nun folgenden Jahren wurde so manches Große geleistet. Im Jahre
1972 wurde zum ersten Mal die Sitzung für die älteren Mitbürger der
Stadt durchgeführt. Diese Tradition wird auch heute noch hochgehalten.
1973 stand man Pate, als es darum ging, den ECV (Ettlinger
Carnevals-Verein) zur Aufnahme im Bund Badisch-Pfälzischer
Karnevalsvereine zu begleiten. Der Fastnachtsumzug, genauer gesagt die
Organisation, wurde sowohl inhaltlich als auch finanziell als
eigenständige und eigenverantwortliche Gruppe der GroKaGe angegliedert.
Aus den schon im Alleingang lachgewalttätigen Figuren „D’r häsere
Hannes“, „Die doofe Nuß“ und „Stotterkarle“ wird in Kombination mit der
als Wirtin „Pflothild“ agierenden Gerlinde Heid der „Stammtisch“
geboren. Für Kenner der Materie: Ein Glanzstück jeder Sitzung und für
viele allein schon Grund des Sitzungebesuchs!
In der Kampagne ging die GroKaGe aufgrund der laufenden Eingemeindungen
der umliegenden Ortschaften auf eine sogenannte „Werbetour“ durch das
Ried. Man veranstaltete in Plittersdorf, Ottersdorf und Wintersdorf
Sitzungen und Galaabende.
1975 ging die Gesellschaft erstmals das größtmögliche Programm an zwei
Wochenenden. Vier Abendveranstaltungen plus die Sitzung für die älteren
Mitbürger am Sonntagnachmittag. Am Rosenmontag und Fachingsdienstag gab
es nach vollzogenem sonntäglichem Fastnachtsumzug noch die Kinder- und
Jugendmaskenbälle in der Fruchthalle zu gestalten und durchzuführen.
Allein aus dem Blickwinkel heraus, daß alle Mitwirkenden Amateure sind
und die Fastnacht ihr Hobby ist, sollte man diese Leistung betrachten.
Insbesondere jene Aktive, die niemals in den Vordergrund treten, ohne
deren Wirken aber weder eine Sitzung noch ein Fastnachtsumzug
funktionieren kann. Ob Dekoration, Wagenbau, Anfertigen von Kostümen und
Hüten sowie die musikalische und technische Begleitung sind ein
unabdingbares Muß. Im Lauf der Jahre haben sich hierbei eine Unzahl von
Mitgliedern und Nichtmitgliedern um die GroKaGe verdient gemacht:

Kostüme und Hüte: Gerlinde Heid, Waltraud Reuter, Heike Dussel, Helga
Karcher, Firma Mieder-Walz, Helmi Henszler, Frau Braun, Anna Gress,
Bernadette Kolenda, Doris Hutt, Elona Weßbecher, Helga Hansmann
Requisite: Gretel und Werner Kersten, Wolfgang Thom, Birgit und
Hansjürgen Lachmaier
Masken und Frisuren: Karl Moser, Hans Moser, Eugen Philipp, Brunhilde
Palmer, Anette Palmer, Margot Lachmaier, Cordula Heinrich, Erika
Kistner, Monika Borgiel, Manuela Borgiel, Ute König, Biserka Huschwar
Dekoration: Richard Riemer, Otto Mayer, Fa. Heudorf, Charly Dussel,
Senol Kirpikcioglu, Siegfried Karcher, Hans Burckhard, Rudi Schulze,
Horst Kistner, Norbert Mezger, Ingo Tögel (Entwurf)
Hofmaler: Alfred und Horst Wiegele, Thomas Rößler
Abendregieleitung: Franz Heidmann, Hans Hoffmann, Herbert Philipp,
Siegfried Jockers
Kapellen: Blau-Weiß, Blue-White, Baden Brass Band
Licht- und Tontechnik: Otto Hochreiter, Franz Wieber, Gerhard Sauer,
Wolfgang Habicht, Günter Kropp, Martin Kastner, Rainer Mauksch, Dirk
Jähnichen
 

In die 70er-Jahre fallen auch die ersten, mittlerweile legendär
gewordenen, Hoffeste im „Weinhaus Blach“. Ob an Stadtfesten, gemeinsamen
Veranstaltungen mit dem Rastatter „Lions-Club“ oder als
„Calabrich-Fest“, in den ehrwürdigen Mauern des in der Engelstraße
gelegenen Hofes hat die Gesellschaft so manches Faß aufgemacht, und gar
mancher Geburtstag wurde darin gefeiert. Leider fiel diese fast schon
Institution zu nennende Einrichtung der Stadtsanierung zum Opfer. Aber
schön war es trotzdem!
Im Lauf der Jahre kommen auch die GroKaGeler in dieselben. Das sieht man
zum Beispiel im Jahr 1980, wo allein sechs Mitglieder der Gesellschaft
die höchste Auszeichnung der badisch-Pfälzischen Vereinigung erhielten:
Den Goldenen Löwen! Voraussetzung für diesen Orden sind sogenannte „22
Punkte“, die man sich durch Aktivenjahre (pro Jahr gibt es einen halben
Punkt) erarbeiten muß.
Aber nicht nur Auszeichnungen konnte die Gesellschaft in diesem Jahr
entgegennehmen, man mußte sich von etwas in vielen Jahren liebgewonnenem
trennen. Das Vereinslokal „Zum Salmen“ wird geschlossen. Am 16.12.1980
feierte die GroKaGe ein rauschendes Abschiedsfest in den von Rudi Kühn
so heimelich gestalteten Hallen. Es hieß ade – ade zum Salmen, zu
unserem Kühne-Rudel, ade zu unserem ach so geliebten Eulen-Nest, das die
Zentrale der GroKaGe war. Das neue Vereinlokal wird das Hotel
Brückenhof.

Schon ein Jahr später kam es ordenstechnisch noch „doller“. Die zwei
„Obernarren“ (Dieter Jockers und Hans Reuter) erhielten am 5. Dezember
1981 in Speyer den Verdienst-Orden des Bundes Deutscher Karneval in
Silber.
Trotz hochdekorierter Brüste hat man bei der GroKaGe nie das eigentliche
Ziel aus den Augen verloren: Freude bereiten! So auch alljährlich im
Seniorentreff „Zur offenen Tür“, wo man immer am Rosenmontag mit offenen
Armen empfangen wurde und die besten Schmankerl der zurückliegenden
Sitzungen zum besten gab.
In der Kampagne 1983/84 – zum 900. Geburtstag der Stadt Rastatt –
widmete natürlich auch die GroKaGe ihre Sitzungen diesem Fest. Mit
Hofmarschall, Hofkanzler, Troubadouren und dem Goldenen Mann beging die
Gesellschaft diese Feier auf ihre eigene närrische Art und Weise. Selbst
die manchmal sehr kritische Presse konnte sich ein Lob nicht verkneifen:
Man habe sich selbst übertroffen mit dieser dem Türkenlouis gewidmeten
Gala-Sitzung! Auch bei der im darauffolgenden Sommer stattfindenden 900
Jahr-Feier war die GroKaGe vertreten. Mit einem 400 Mann-Zelt im
Schloßhof sorgte man für Bewirtung, und die reiche Erfahrung des
Umzugskomitées war beim Historischen Umzug mehr als gefragt. Der Zug
wurde von der Gesellschaft organisiert. Auch beim Singspiel „Unsere
Stadt“ waren Rastatts älteste Narren vorne mit dabei.
1984 vollzieht sich dann ein weiterer Generationswechsel. Zwar nicht an
der Spitze des Vereins, so doch an einer entscheidenden Stelle. Der
jahrzehntelang als Schloßwachen-Kommandeur tätige Hans Sauerbrunn tritt
zurück, und mit ihm schwindet die Ist-Stärke der Schloßwache auf
annähernd Null! Jetzt was tun? Man suchte fast schon krampfhaft einen
Nachfolger für Hans Sauerbrunn. Und fand ihn in dem altgedienten
Schloßwachensoldaten Edgar Hatz. Doch die Suche nach einem „Leithammel“
war lang nicht das schwierigste. Denn ohne Soldaten ist jeder General
aufgeschmissen. So beschloß man kurzerhand, daß alle Elferräte, die über
männlichen Nachwuchs in passendem Alter verfügten, diesen zum
„närrischen Kommiß“ zu schicken hätten. So geschah es. Und am 6. Januar
1985 stellte sich die neuformierte Gruppe um den alten Hasen Edgar Hatz
mit dem Tanzmariechen Conny Kurz der Gesellschaft und befreundeten
Vereinen bei der Ordensmatinée in der Fruchthalle vor.
Wie im Verlauf der Geschichte erwähnt, wollen wir natürlich auch den
Umzug nicht vergessen. Da auch hier immer wieder Highlights – positive
wie negative – aufblitzen. Ein Desaster mußte das Komitée, unter der
Führung von Elfer Heinz Heid, zum Beispiel im Jahr 1986 hinnehmen.
Übelstes Wetter, kaum Besucher: ein klares Minusgeschäft. Die Stadt
Rastatt half glücklicherweise aus, da der Umzug schließlich nicht ein
vereinseigene Veranstaltung, sondern der ganzen Stadt nützlich sei. In
dieser etwa unglücklichen Lage wechselte auch noch aus beruflichen
Gründen die Spitze des Komitées. Präsident Dieter Jockers mußte bis zur
Wahl eines Nachfolgers kommissarisch die Leitung des Zuges übernehmen.
1987 wird Siegfried Jockers – bisher Schriftfüher – zum Vorsitzenden des
Umzugskomitées gewählt. Er konnte auf die Unterstützung und Mitarbeit
von einer Vielzahl erfahrener Komittéemitglieder zurückgreifen.

Umzugskomitée im Jahr 1987:
Gerd Rieger, Hans Peter Ruf, Rolf Merkel, Werner Gottwald, Wolfgang
Drechsler, Helmut Schlag, Wolfgang Falk, Klaus Sutter, Reiner Heinrich,
Siegfried Weßbecher.

Im selben Jahr begab man sich auf den Weg in die Kampagne zum 90jährigen
Bestehen. Denn mittlerweile war durch den ehemaligen Stadtarchivar
Walter Ziegler herausgefunden worden, daß sich die Gesellschaft nicht
erst auf die Wiedergründung im Jahre 1908, sondern schon auf die erste
namentliche Erwähnung im Jahr 1898 beziehen kann.
Im Jubeljahr 1988 kam es zu einer ganz besonderen Ehrung. Alfred
Fütterer, ehemaliger Präsident und zu diesem Zeitpunkt bereits
Ehrensenator, wird für 65jährige Mitgliedschaft zum „Erzträger des
Goldenen Löwen“ ernannt. Dieter Jockers und Hans Reuter erhielten von
Bürgermeister Mockert die Landesehrennadel des Landes Baden-Würtemberg
verliehen.
Solche und andere Ehrungen kann man allerdings nicht nur durch kräftiges
Helau-Rufen erringen. Das Ansinnen der GroKaGe war und ist es, das
kulturelle Leben der Stadt zu bereichern. So durch die Teilnahme an
Festen, Unterstützung der Senioren und Hilfestellung bei Planungen, die
das Normalmaß anderer Vereine überschreitet. So ließ man sich auch nicht
lange bitten, als es 1988 darum ging, im Schloßhof anläßlich des
Badischen Landesturnfestes ein 1600-Mann-Zelt zusammen mit der Apollonia
zu bewirten. Dort kamen auch die mittlerweile bekannten blauen
Winzerkittel erstmalig zum Einsatz.
1989 kann der Rastatter Fastnachtsumzug auf 25 Jahre ununterbrochene
Fröhlichkeit zurückblicken. Dies wird im Rahmen des Elften im Elften
gebührend gefeiert und auch im Jahresorden zum Ausdruck gebracht.
Im Sommer dieses Jahres trifft die GroKaGe ein harter Schlag. Der
Präsident Dieter Jockers erkrankt schwer und muß sich einer Operation
unterziehen. Vize Hans Reuter führt in dieser Zeit die Amtsgeschäfte.
Die Gesellschaft ist anfangs wie gelähmt. Nur mühsam erholt man sich von
dem Schock. Doch es muß schließlich weitergehen.
Vize Hans Reuter und Sitzungspräsident Manfred Schuhr übernehmen die
Regie in der Kampagne 1989/90 zum „Letzten Grand Spectacle“ in der
Fruchthalle, da für das darauffolgende Jahr der Umzug in die neuerbaute
BadnerHalle vorgesehen ist und die Fruchthalle zur Kunstgalerie umgebaut
werden soll.
1990 wird dem Führungsduo Jockers/Reuter noch eine seltene Ehre zuteil.
Sie erhalten den BDK-Verdienst-Orden in Gold!
Im selben Jahr feiert die GroKaGe mit ihrem wieder halbwegs erholten
Präsidenten dessen 60. Wiegenfest. Die Presse schreibt: „Karneval im
Sommer! Der Stotterkarle wird 60!“
In der Generalversammlung desselben Jahres wird aufgrund der
neuformulierten Gemeinnützigkeitsordnung von Rechtsanwalt und Elferrat
Bernd Nieswandt die Satzung neu gefaßt. Dieter Jockers ist wieder an
Bord.
Doch die Kampagne 90/91 mußte leider ausfallen. Der Golfkrieg hat den
Narren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar waren nicht alle
Mitglieder des Bund Deutscher Karneval der Aufforderung zur Aussetzung
gefolgt, doch die GroKaGe ließ das Narrenzepter in diesem Jahr ruhen!
1992 war das Premierenjahr in der BadnerHalle. Alle waren aufgeregt.
Keiner kannte die Umstände und Probleme so richtig, obwohl man sich
schon Monate zuvor via Besichtigungen und Vorgespräche über die
technischen und logistischen Möglichkeiten informiert hatte.
Nun endlich konnte sich das bereits im vergangenen Jahr gekürte aber
ausgebremste Prinzenpaar seiner Untergebenen bemächtigen. Mit „Pariser
Luft in der BadnerHalle“ begann ein neuer Abschnitt in der
Vereinsgeschichte. Nach den ehemals genutzten Prunk- und Spiegelsälen
des Löwen und der Fruchthalle winkte nun die moderne Technik... und
unendlich lange Wege.
Einen ebenfalls neuen Weg mußte der Fastnachtsumzug in diesem Jahr
nehmen. Aufgrund des Umbaus der Kaiserstraße zur Fußgängerzone wurde der
Zug durch die beängstigend enge Herrenstraße geleitet. Doch dank
sorgfältiger Vorbereitung ging alles gut. Es geht eben nichts über ein
eingespieltes Team. Und dieses konnte seine Fähigkeiten auch noch beim
Verbandstreffen Südwestdeutscher Fanfarenzüge zeigen. Denn auch dieser
Zug wurde vom Umzugskomitée organisiert.
Am 30. Juni 1992 stellte sich Präsident Dieter Jockers aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl und schlug als seinen
Nachfolger den bisherigen Sitzungspräsidenten Manfred Schuhr vor. Mit
Dieter Jockers legen auch die anderen Vorstandsmitglieder ihre Ämter
nach teilweise jahrzehntelanger verdienstvoller Tätigkeit nieder, so
Hans Reuter, Vize; Lothar Lamprecht, Schatzmeister; Norbert Mezger,
Schriftführer.

Die neue Führungscrew hieß ab 1992:
Manfred Schuhr, Präsident
Bernd Matthes, Vizepräsident
Klaus Sutter, Schatzmeister
Karin Mezger, Schriftführerin

Am 20. September 1992 stirbt Dieter Jockers. Kurz vor seinem Tod hat die
GroKaGe „ihren Dieter“ zum Ehrenpräsidenten ernannt! Die nun entstandene
Lücke war zwar formell mit der Neuwahl des Präsidium gefüllt, jedoch
hatte die Gesellschaft an diesem herben Verlust schwer zu kämpfen.
Doch wie es nunmal so ist – das Leben muß weitergehen. Und die Große
Karnevals-Gesellschaft mußte und wollte dieser Tatsache ins Auge sehen.
So ging man daran, die Tradition der Rastatter Fastnacht fortzuführen.
Und es gelang! Mit den Sitzungen im Jahre 1993 „Die GroKaGe im Olymp“
setzte die Gesellschaft mal wieder Maßstäbe. Auch die unter dem
Präsidenten Manfred Schuhr als Richter des Rastatter Narrengerichts
durchgeführte Rathausstürmung mit Aburteilung des Oberbürgermeisters
Klaus-E. Walker wurde ein voller Erfolg.
So hatte man es also geschafft, die Hürde zu nehmen und war wieder voll
im Fluß. „Die Ideen gehen einem Karnevalisten nie aus“, sagt man. „Es
gibt immer genug, denen man den Spiegel vorhalten muß“, so dachte schon
Till Eulendspiegel.
Und eine wahrhaft zündende Idee kam der GroKaGe 1994, als sie den
Vorschlag des mittlerweile zum Elferrat berufenen Uwe Kobus annahm, die
„Staffelstürzer“ auf das Publikum loszulassen. Mit ihrer herrlich blöden
Art, kombiniert mit eingängigen Melodien und herrlich-frechen Versen
kommen die drei (Uwe Kobus, Bernd Matthes, Berthold Hasenfraz) locker
unter die Top-Ten der närrischen Neuheiten. Keine Neuheit, sondern eher
altbekannt ist jener, der im Jahr 1994 sein 40jähriges Bühnenjubiläum
feiert: Hans Reuter, ehemaliger Vize-Präsident und „spiritus rector“ der
Gesellschaft. Nach ihm werden noch mehrere diese Schallmauer
durchbrechen. Doch er war der erste.
Im selben Jahr bekommt die GroKaGe endlich wieder eine feste Heimburg.
Die Kaserne Carnot wird zum Vereinsheim der Rastatter Vereine umgebaut.
Auch wechselt der Amtsinhaber des Vizepräsidenten: Wolfgang Falk folgt
auf Bernd Matthes.

Mit dieser Vorstandschaft geht die GroKaGe auch ins Jubeljahr. 100 Jahre
Große Karnevalsgesellschaft Rastatt. Nicht 100 Jahre alt, sondern 100
Jahre jung – und noch kein bißchen leise. In diesem Sinn und unter der
altbekannten Devise „Niemand zu leid, allen zur Freud“ wollen wir mit
einem dreifach donnernden „HELAU“ auf die kommenden 100 Jahre Fastnacht
in Rastatt anstoßen!